Evangelische Theologie studiert, wer Lehrer im Fach ev. Religion oder ev. Pfarrer werden will. Um es gleich zu sagen, die Berufschancen für
Lehrer sind nicht schlecht, die für Pfarrer aber derzeit gar nicht gut. Viele Landeskirchen haben aufgrund eines großen Überhangs an
Personal begonnen, zusätzliche Auswahlverfahren unter den Kandidaten der evangelischen Theologie zu starten, so gibt es Assessmentcenter
nach dem 1. oder 2. Examen, die zusätzlich zu den Examina darüber entscheiden, ob eine Zukunft als ev. Pfarrer möglich ist oder nicht. Da das
Studium selbst eine nicht zu kurze Durchschnittsstudienzeit aufweist, hat man für den breiteren Arbeitsmarkt dann wiederum ein schon etwas
fortgeschrittenes Alter erreicht und es wird ggf. nicht leicht, eine andere Tätigkeit zu finden. Nun, wer sich davon nicht abschrecken
lässt, den erwartet ein sehr interessantes Studium.
Zugangsvoraussetzung: Sprachen lernen!
Zum Studium der ev. Theologie benötigt man drei Sprachen: Hebräisch, die Sprache des Alten Testaments, Griechisch, die Sprache des
Neuen Testaments und Latein als kirchengeschichtlich bedeutsame Sprache. In der Regel beginnt man das Theologiestudium damit, die noch
fehlenden Sprachen zu studieren. Praktisch ist es, wenn man ein Latinum schon von der Schule mitbringen kann.
Angehende Lehrer haben nicht die vollen Sprachanforderungen wie Pfarramtsstudierende. Die Sprachanforderungen sind
in den Bundesländern und manchmal von Universität zu Universität unterschiedlich geregelt. Man kann in der Regel davon ausgehen,
dass für das gymnasiale Lehramt bzw. das Lehramt für die Sekundarstufe II Latein und Griechisch obligatorisch sind. Für die Primarstufe
werden meist Sprachprüfungen nicht verlangt. Aber man sollte sich unbedingt erkundigen, welche Alten Sprachen in dem Bundesland, in dem
man sein Staatsexamen ablegen will, erforderlich sind. Dies erfährt man in den Prüfungsordnungen für die Lehrämter.
Studium
Das Studium der ev. Theologie verteilt sich auf fünf Fächer: Altes Testament, Neues Testament, Kirchengeschichte,
Systematik (Dogmatik und Ethik) und Praktische Theologie / Religionspädagogik. In welchen von diesen Fächern man Belege
vorweisen muss, um für die Zwischenprüfung vorgelassen zu werden, hängt von der Fakultät ab, an der man studieren will. Die
Durchschnittsstudienzeit liegt z.B. in der Ev. Kirche im Rheinland bei 15 Semestern, die Regelstudienzeit ist natürlich niedriger
angesetzt. Erkundigt euch bei der Uni eurer Wahl, mit wie vielen Semestern gerechnet wird, es sind in der Regel etwa 9 Semester.
Den Abschluss des Studiums bildet für Lehramtstudierende des 1.Staatsexamen, für Pfarramtsstudierende das 1. Kirchliche Examen
bei der Landeskirche, zu der man gehört. Welche das ist, hängt von Geburtsort, Taufort oder dem Ort der Konfirmation ab.
Üblicherweise sollte man sich schon zu Beginn seines Studiums auf die Liste der Theologiestudierenden der jeweiligen Landeskirche
setzen lassen. Das Kirchliche Examen ist ein ziemlicher Schlauch, und am besten besteht man es in einer guten Lerngruppe, die
sich ein Jahr gemeinsam auf die Prüfungen vorbereitet. Es tut aber gut, einmal konzentriert die verschiedenen Fächer im Überblick zusammenzufassen.
Vikariat / Referendariat
An das Studium an schließt sich für Lehramtsanwärter das Referendariat, für Pfarramtsstudierende das
Vikariat. Am Ende des Vikariats steht das 2. Kirchliche Examen, dass gegenüber dem ersten Examen einen wesentlich größeren
Schwerpunkt auf das Fach der praktischen Theologie legt und diese Disziplin in einige Unterdisziplinen wie Katechetik, Seelsorge,
Homiletik, Kirchenrecht und Mission und Ökumene unterteilt. Teilweise werden auch Bestandteile der Prüfung in die Zeit des
Vikariats selbst vorgezogen, um eine größere Praxisnähe zu erreichen. Während des Vikariats wird die praktische Ausbildung von Zeiten
theoretischer Reflexion am Predigerseminar begleitet. Lehramtsanwärter haben eine ähnliche Verzahnung zwischen Schulzeiten und Ausbildung am Hauptseminar.
Probedienst / Entsendungsdienst / Schuldienst
Hat man das 2.Examen und evtl. anhängige Assessmentcenter bestanden, wird man in den pfarramtlichen Dienst übernommen. Das genaue
Verfahren hängt hier wieder von der Landeskirche ab. Es kann sein, dass die Berufung erst auf eine auf z.B. drei Jahre befristete Stelle
erfolgt, und das anschließend erst der Zeitpunkt kommt, auf der man sich auf eine Stelle auf Lebenszeit bewerben kann. Der Zeitpunkt, an dem die
Ausbildung und Probezeit tatsächlich abgeschlossen ist, kann dadurch sehr spät in der eigenen Biographie liegen mit entsprechenden
Konsequenzen für die Chancen auf dem weiteren Arbeitsmarkt, falls es damit nichts wird. Auf jeden Fall sollte man sich bei seiner
Landeskirche erkundigen, wie Vikariat und Probedienst jeweils beschaffen sind.
Für Lehramtsanwärter schlägt die Stunde der Wahrheit direkt nach dem zweiten Staatsexamen. Sollte man nicht sofort eine
richtige Stelle an einer Schule finden, kann man auch versuchen, zunächst Vertretungsunterricht zu leisten und so vielleicht auch
auf sich als Bewerber um eine volle Stelle aufmerksam machen.
Bewerbung
Für ein Thelogie-Studium bewirbt man sich direkt bei den entsprechenden Unis. Dies ist meist online möglich.
Information zum genauen Bewerbungsverfahren und zu den Zulassungsvoraussetzungen findet man an auf den Homepages der jeweiligen Unis.
Einen guten Überblick, wo man Theologie studieren kann, findet man auf der Seite
http://www.theologiestudium.info
Hier sind nicht nur staatliche Universitäten aufgelistet, sondern auch Trägerschaften von Ordensgemeinschaften und Diözesen.
Weitere Informationen
Die EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) bietet eine eigene Webseite für Interessenten des Studiums sowohl
des Pfarramts wie des Lehramts an. Hier erfährt man noch viel mehr über die Studiengänge und u.a. auch an welchen Orten
in Deutschland man derzeit evangelische Theologie studieren kann: