Germanistik kann man an den meisten deutschen Universitäten auf Magister
studieren, d.h. als Hauptfach mit zwei Nebenfächern oder aber auch zwei Hauptfächer.
Die Nebenfächer sind ziemlich frei wählbar. Aber auch die Lehramtsstudenten des Unterrichtsfaches
Deutsch sind hier richtig. Wer sich für Germanistik entscheidet, sollte gerne Lesen, sich
für die deutsche Sprache und Literatur interessieren und offen für alles sein (hier ist
das auf Epochen und Stilrichtungen bezogen).Germanistik, auch unter dem Begriff Deutsch zu finden,
untergliedert sich in 3 Teile, die man während des Studiums durchläuft:
Neuere Deutsche Literaturwissenschaft (NDL)
NDL beginnt ab dem 15. Jahrhundert
und „endet“ im Jetzt. Das Fach hat also eine große Spannbreite und es ist für
jedermann etwas dabei. Von der bekannten „Weltliteratur“ (Goethe, Schiller etc.) über
modernes (Kafka, Brecht) bis hin zu Aktuellem (Popliteratur: Stuckrad-Barre, Kracht). NDL gliedert
sich in Seminare und Vorlesungen. Die Seminare sind je nach Bedarf schulklassengroß und man kann sie
auch mit der Schule vergleichen. Hier kann man aktiv mitarbeiten, mitdiskutieren und einfach in der
Runde verschiedene Aspekte des Themas bearbeiten. Vorlesungen sind dann eher die Veranstaltungen, wo
nur der Professor spricht und es ist zuhören und mitschreiben angesagt.
Germanistische Linguistik (Sprachwissenschaft)
Die Linguistik beschäftigt sich mit der deutschen
Sprache an sich. Es geht um Satzbau (Syntax), Sprachbildung, Wortbildung, Dialektik etc. Was sich
relativ trocken anhört, ist in der Realität genau das Gegenteil. Hier gibt es Antwort auf viele Fragen:
Warum sprechen wir? Warum gibt es verschiedene Dialekte? Wie erzeugen wir Laute? Warum
lispeln manche Menschen? Woher kommen unsere Worte? Was ist korrekter Satzbau? Linguistik
ist nicht trocken sondern spannend und lehrreich!
Mediävistik (Mittelhochdeutsch)
Den dritten Teil von Germanistik bildet die Mediävistik.
Grob umschrieben kann man sagen, dass dies eine Fremdsprache ist, die man aber nicht lernen muss.
Mittelhochdeutsch, der Vorgänger unseres Neuhochdeutsch, verbindet man als erstes mit den Artusromanen.
Die bekannteste Literatur ist das Nibelungenlied und Parzival. Aber auch Minnesang kann ein Thema sein.
Mittelhochdeutsch muss man deswegen kaum erlernen, weil es eine wahnsinnige Ähnlichkeit mit unserer
heutigen Sprache hat. (Deutsch ist zwar nicht gleich Deutsch, aber fast*G*)
Lasst euch aber jetzt nicht von den 3 Fächern abschrecken. Normalerweise sucht man sich eines
als Hauptfach aus. Dann kann man entscheiden, ob man noch ein weiteres „germanistisches“ Nebenfach
wählt. Jedoch geht es nicht, Haupt- und beide Nebenfächer aus dem Bereich der Germanistik zu wählen.
In meinem Fall waren das NDL (und 2 nichtgermanistische Nebenfächer. Dennoch wird man mit allen 3
Bereichen konfrontiert, da man in allen 3 Bereichen ein Einführungsseminar bestehen muss. Ansonsten
basiert das Studium hauptsächlich auf dem gewählten Schwerpunkt.
Studium
Regelstudienzeit: 8-10 Semester
Aufbau: Grund- und Hauptstudium (je nach Uni schließt man das Grundstudium spätestens nach dem 5. Semester mit einer Zwischenprüfung ab, bei Lehramt gibt es die Zwischenprüfung nur bei Grundschule und Gymnasium)
Abschluss: nach der Magisterprüfung trägt man den Titel „Magister Artium“, M.A., Lehrämtler schließen mit dem Staatsexamen ab
Vorkenntnisse: an manchen Universitäten (z.B. München) werden bis zur Zwischenprüfung Nachweise zwei nicht-muttersprachlichen Fremdsprachen (Latein gilt auch!) verlangt, das heißt z.b. 3 aufsteigende Schuljahre belegt und mit mindestens Note 4 abgeschlossen. Fehlt dieser Nachweis (im Abiturzeugnis), kann er an der Uni in verschiedenen Kursen nachgeholt werden.
Praktika: in diesem Studienfach gibt es KEINE Pflichtpraktika, dennoch werden jedem Studenten Praktika auf freiwilliger Basis ans Herz gelegt
Berufschancen/-möglichkeiten:
Die Berufschancen für Germanisten
sehen auf Grund der breit gefächerten Möglichkeiten nicht schlecht aus. Als erstes denkt man immer
an den Journalismus. Klar kann man danach gern zum Fernsehen, Radio oder der Zeitung gehen, aber das
ist noch lange nicht alles. Es gibt eigentlich nichts, was man mit dem M.A.-Abschluss nicht machen kann.
Als Beispiele kann man noch das Verlagswesen, die Werbebranche, die Politik und vieles weitere nennen.
Bewerbung
Für den Studiengang Germanistik müsst ihr euch direkt bei der jeweiligen Uni bewerben.
Bei den meisten Unis gibt es dafür ein Online-Verfahren in der Bewerbungszeit.
Informationen zu den Bewerbungen und zu den Zulassungsvoraussetzungen stehen auf den Homepages der Unis.
Meine Empfehlung
Ich kann das Studienfach Germanistik nur wärmstens weiterempfehlen. Es macht Spaß und es ist eines der wenigen
Fächer, wo man aktuelles behandelt und gleichzeitig Abwechslung hat. Da ich an der LMU München studiere, kann ich
diese auch sehr loben. Weil die LMU eine große Uni ist, bietet sie also auch eine recht breite Auswahl sowohl an
Vorlesungen als auch an Seminaren, so dass sicher für jeden etwas dabei ist.
Vielleicht konnte ich den ein oder anderen ja überzeugen. Für Fragen stehe ich gerne unter eva013@gmx.de bereit!