Ärzte braucht das Land! Also liebe Abiturienten, hier ist Not am Mann. Deshalb werde ich versuchen, euch vom Studium der Medizin zu überzeugen.
Studieren kann man Medizin in vielen größeren Städten. In Berlin und Göttingen wird sogar zum Sommersemester immatrikuliert.
Da das Studium mit einem Staatsexamen abgeschlossen wird, könnt Ihr es nur an einer Universität studieren.
Zugangsvoraussetzungen
Besondere Schulfächer muss man für ein Medizinstudium nicht belegt haben. Sicher hat man mit Bio/Chemie-Leistungskurs
ganz gute Chancen, aber auch nur am Anfang. Ich habe Chemie nach der 10. Klasse abgewählt
und bin wunderbar klar gekommen. Ein Latinum ist nicht nötig.
Humanmedizin ist ein zulassungsbeschränktes Studienfach. Das heißt, ihr bekommt nur unter bestimmten
Bedingungen einen Studienplatz. Meist ist da der NC (Numerus clausus – eure Abinote) entscheidend. Bewerben müsst ihr euch damit bei der ZVS (www.zvs.de )
Mit einem sehr guten NC (1,0-1,6) bekommt man meist sofort (der Bescheid kommt Anfang September) einen Studienplatz.
Jedoch kam in den letzten Jahren mehr und mehr der Trend auf, über Auswahlgespräche zu immatrikulieren. Auch ich bin darüber zugelassen worden.
Im Auswahlgepräch werdet ihr über euren Werdegang, den Grund, weshalb ihr Mediziner werden wollt (sagt bloß nicht: „Ich will helfen“ !!!)
und aktuelle gesundheitspolitische oder ethische Themen (Sterbehilfe, Stammzellforschung) gefragt. Legt euch gute Gedanken
dafür zurecht.
Begünstigend für die Bewerbung zählen Wartesemester, der Hauptwohnsitz in der Nähe der Uni und Sozialkriterien.
Meist müsst Ihr euch nur bei der ZVS bewerben, auch wenn ihr im Falle einer Nichtzulassung der ZVS ins Auswahlgespräch wollt.
Aber da gerade auf diesem Gebiet so viel im Umbruch ist , fragt lieber nochmal an der speziellen Uni nach.
Wenn alles nichts geholfen hat, gibt es noch das Losverfahren. Die Plätze, die sehr spät noch abgesagt wurden, werden oft verlost.
Dabei ist euer NC oder eure Bewerbung egal. Ihr könnt euch formlos mit einer Postkarte dafür bewerben.
Das Krankenpflegepraktikum
Es empfielt sich vor dem Studium schon einen Teil oder das ganze Krankenpflegepraktikum zu absolvieren.
Ihr könnt es aber auch im Studium, in eurer Vorlesungsfreien Zeit, ablegen. Nur hat man dann nicht mehr viel Ferien übrig.
Informiert euch beim zuständigen Prüfungsamt, welche genauen Vorschriften euch gesetzt sind.
Nach neuer Approbationsordnung müsst ihr 90 Tage Krankenpflegepraktikum absolvieren.
Praktika im Ausland zählen auch mit dem richtigen ausgefüllten Formular (gibt es auch beim Prüfungsamt).
Eigentlich darf man die 90 Tage aufteilen. Ich habe einmal 60 Tage und einmal 30 Tage gearbeitet.
Denkt daran, dass ein Zivildienst oder ein Freiwilliges Soziales Jahr oder eine Krankenschwesterausbildung als Krankenpflegepraktikum anerkannt werden können.
Meist wird gefordert, dass man mit Patienten gearbeitet hat, die über Nacht geblieben sind, also eine Bettenstation.
Also Zivi im Kindergarten wird schwierig. Einfach beim Prüfungsamt nachfragen.
Welche Uni?
Man kann auch ohne Studiengebüren noch an sehr guten Unis studieren. Die Spitzenreiter bei den Statistiken sind immer
wieder die Medizinischen Fakultäten im Osten: Dresden, Jena Magdeburg, Berlin.
Aus Gießen wollen viele weg, da muss es echt schlimm sein. Im Sommer werden meist neue Statistiken in großen Zeitschriften veröffentlicht.
Am besten ist es aber, man fährt mal zu der Uni hin und redet mit höheren Semestern über die Uni. Die können einem meist mehr erzählen,
als in jeder anderen Zeitung steht.
Gründe für das Studium
Die Ärzte streiken gerade in ganz Deutschland. Warum? Sie sind unterbezahlt und arbeiten in 24 Stunden Diensten.
Außerdem beklagen sie sich über zu viel Bürokratie.
Ihr solltet nicht denken, dass man als Arzt viel Geld verdient. Auch solltet ihr in diesem Beruf belastungsfähig sein,
denn lange Dienste sind unter Ärzten wirklich nicht selten. Auch das Studium ist stressig. Aber über das könnt Ihr hinwegsehen, wenn ihr
am Menschen interessiert seid. Ihr werdet ausführliche Einblicke in den menschlichen Körper bekommen. Gleich in den ersten Semestern nehmt
ihr am Präparierkurs teil. Das ist ein Privileg, nichts Ekliges oder Gruseliges. Der erste Schreck geht auch schnell vorbei und dann packt
einen nur noch die Neugier. Wie schwer ist wohl das Herz und wie fühlt sich die Lunge an? Man beginnt über Muskeln, Nerven,
Gefäße oder auch Artefakte zu fachsimpeln. Ihr werdet in der Lage sein, jedes Teil des Körpers zu zeigen und auf lateinisch zu benennen.
Apropos Latein – keine Bange, das ist locker schaffbar. Ein Latinum ist keine Vorraussetzung.
Weiter geht’s mit Biochemie. Von vielen sehr gefürchtet, aber wenn man einmal Fuß gefasst hat, staunt man nur noch über die Prozesse,
die im Körper ablaufen. Zum Beispiel die Glucose. Aus welchen Nahrungsmitteln entnehmen wir Glucose – wirklich nur Zucker?
Und was „baut“ der Körper aus der Glucose. Was ist Diabetes? Und woher haben wir schlagartig ganz viel Energie für einen Sprint
zur Verfügung? Auch die Physiologie behandelt die Prozesse im Körper, aber eher vom funktionellen Aspekt gesehen.
Wie wird zum Beispiel der Blutdruck oder die Atmung reguliert?
Nach dem Physikum wird es dann spezieller. Es geht in die Fachgebiete hinein und wird dem ein oder anderen zeigen,
wohin man sich nach dem Studium noch spezialisieren kann. Ob Dermatologie (Hautlehre), Gynäkologie,
Kardiologie oder doch lieber mit kleinen Kindern in der Pädiatrie - entscheiden kann man sich auch erst nach dem Studium.
Studienablauf
Vorklinik:
Anatomie, Präparierkurs, Hirnkurs (nur an manchen Unis), Seminare
Histologie (Gewebelehre) Mikroskopierkurs
Physiologie, Praktikum, Seminare
Biochemie, Praktikum, Seminare
Biologie, Praktikum, Kurs, Seminare
Chemie, Praktikum, Seminare
Physik, Praktikum, Seminare
Berufsfelderkundung (man schaut sich Einsatzstellen eines Arztes
Einführung in die klinische Medizin (Arzt Patienten Beziehung, Anamnese
Gepräch)
Medizinische Psychologie (Arzt Patienten Beziehung)
Terminologie
Erweiterter Erste Hilfe Kurs (auch vor dem Studium absolvierbar)
Krankenpflegepraktikum
1. Staatsexamen "Physikum" Erste große Hürde! Wenn die geschafft ist, seid ihr so gut wie Arzt!
Klinik: klinische Fächer (z.B. Pharmakologie, Pathologie, Dermatologie,… siehe neue
Approbationsordnung)
4 Monate Famulatur (auch im Ausland möglich)
PJ Der AIP (Arzt im Praktikum) wurde abgeschafft. Es gibt nur noch das
"Praktische Jahr" nach der ganzen Theorie. Danach wird das Studium mit dem
2. Staatsexamen abgeschlossen
Regelstudienzeit:
12,5 Semester - danach beginnt man in der Regel eine berufsbegleitende Facharztausbildung und spezialisiert sich auf einem Gebiet.
Dr.??
Schon während des Medizinstudiums beginnen viele Studenten ihre Doctorarbeit. Stellen dafür sind meist ausreichend vorhanden.
Ein Dr. med ist auch von anderem Umfang und wohl durchaus mit einem bis zwei Urlaubssemestern und neben der Uni schaffbar.
Aber genaueres müsst ihr an der Uni selbst rausfinden. Ein Dr. ist aber nicht notwendig um praktizierender Arzt zu werden.
Wechsel
Manche werden von der ZVS an einen ganz anderen Ort geschickt, als sie es sich gewünscht haben.
Manche wollen auch mal an eine andere Uni oder in eine andere Stadt.
Leider kann man nicht einfach so die Uni tauschen. Man braucht einen Tauschpartner, der
im gleichen Semester ist und mit dir tauscht. Auch Ringtausch ist möglich.
Tauschen könnt ihr unter anderem hier bei [uni-pur.de].
Das Internet
Bei www.medilearn.de erfahrt ihr auch viel mehr über das Medizinstudium und den Arztberuf. Dort gibt es spezielle Bücherbörsen,
Suchoptionen, tolle Famulaturberichte aus dem Ausland, Informationen über aktuelle gesundheitspolitische Themen
und sogar Prüfungsprotokolle für jede Uni. Auch www.medizinstudent.de ist interessant. Da kann man zum Beispiel
seinen individuellen Lernplan fürs Physikum aufstellen und seine Testergebnisse mit denen von anderen vergleichen, um zu sehen, wie man so steht.
Und wenn ihr schon mal im Internet surft, schaut mal bei www.Pfizer.at vorbei und bestellt euch kostenlos euer
Famulaturpaket mit einer Diagnostikleuchte, einem Reflexhammer, Schlüsselbund und Notizblock und noch viel Werbekram drin.
Ist ganz schick. Dann könnt ihr schon mal üben...
Überzeugt?
Nun hoffe ich, ich habe euch das Medizinstudium ein bisschen nahe gebracht...? Es ist ein wahnsinnig interessantes Studium,
denn im Mittelpunkt steht der Mensch, steht ihr selbst. Das ist schon allein total spannend. Auch wenn viele sagen,
das Studium sei schwer und anspruchsvoll, dann haben sie zwar recht, aber es ist wirklich machbar.
Man kann es schaffen, wenn man will und viel Interesse und Vermögen zum Staunen hat.
Ich wünsch euch genau dieses Vermögen und einen tiefen Wissensdurst. Alles Gute für euren Weg!
Dieser Text wurde uns freundlicherweise von Sophie Grave zur Verfügung gestellt.