Es gibt Viele, die nach dem bestandenen Abitur noch relativ unsicher sind, was sie nun mit der
Hochschulreife anfangen sollen. Ein großer Teil ist sich natürlich sicher aber auch unter ihnen gibt es
Einzelne die zu zweifeln beginnen, ob die Wahl, die sie schon etliche Jahre im Voraus getroffen haben die
richtige war. (Ich gehörte zu dieser Gruppe)
Dieser Artikel ist insbesondere an die noch unsicheren Kandidaten gerichtet und soll ihnen helfen, sich entscheiden
zu können, ob das Medizinstudium und der Arztberuf eine Möglichkeit für ihre Zukunft darstellt. Man muss allerdings sagen,
dass dieser Artikel auch von meinen subjektiven Eindrücken geprägt ist, wobei ich jedoch auch die Sicht meiner Kommilitonen mit
einbezogen habe. Im Folgenden sind 5 Fragestellungen aufgelistet, die man sich im Bezug auf das Medizinstudium selbstkritisch
stellen sollte und die einem die Entscheidung erleichtern sollen.
Checkliste Medizinstudium
Punkt 1: Bin ich ehrgeizig genug?
Für das Medizinstudium muss man durchaus Ehrgeiz und Durchhaltevermögen aufbringen. Gerade die ersten beiden Jahre sind durch
die vielen naturwissenschaftlichen Fächer extrem lernintensiv. Es ist wichtig, dass man in dieser Anfangsphase sein Ziel, Arzt
zu werden, nicht aus den Augen verliert obwohl es manchmal wirklich schwer ist sich motiviert bei 30° im Schatten hinzusetzten
und Muskeln oder das Periodensystem auswendig zu lernen, was uns auch zur nächsten Frage führt
Punkt 2: Hab ich die nötige Ausdauer und Motivation?
Medizin ist ein Lernfach indem die Divise "Ohne Fleiß kein Preis" obersten Priorität haben muss. Allerdings ist es bei weitem
nicht so schlimm, wie es einem die höheren Semester immer verkaufen wollen und nach dem 1. bzw. spätestens nach dem 2. Semester
können euch ihre Horror-Geschichten auch nichts mehr anhaben. Besonders, wenn man z.B. durch ein Pflegepraktikum die nötige Motivation
für diese Beruf gefunden hat. Anders als bei vielen anderen Praktika hat man in der Regel nicht das Gefühl nur sinnlose Aufgaben wie
Kaffee kochen zu erledigen sondern man erfährt das Gefühl den Patienten helfen zu können. Und diese zeigen einem dies auch deutlich und
lassen einen ihre Dankbarkeit hierfür fühlen, was die Motivation enorm steigert.
Punkt 3: Hab ich das nötige naturwissenschaftliche Know-how?
Wenn man bis zur 13. Klasse alle 3 Naturwissenschaften mit Biologie als Leistungskurs gehabt hat, dann wird Punkt 1 teilweise außer
Gefecht gesetzt, was das erste und zweite Semester angeht. Der Stoff unterscheidet sich nur minimal von dem, der einem in der
Sekundarstufe II an den Gymnasien geboten wird. Daher können sich solche Kandidaten voll und ganz auf die Anatomie konzentrieren,
die für sich alleine schon eine Vollzeitbeschäftigung ist. Leute, die mit einem Minimalpensum an Naturwissenschaften das Abitur
geschafft haben, werden es zwar schwerer haben aber es kein Ding der Unmöglichkeit.
Punkt 4: Kann ich Blut sehen?
Jeder kennt den Ausruf, " Hilfe ich kann kein Blut sehen, ich werde nie Arzt". Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, dass man
sich an alles gewöhnt, also auch an den Umgang mit Blut. Und ich habe bereits viele Chirurgen kennen gelernt, die zugegeben haben,
Blut nicht sehen zu können und trotzdem erfolgreich ihren Beruf ausüben.
Punkt 5: Bin ich teamfähig?
Es ist beim Medizinstudium von großer Bedeutung, dass man versucht möglichst viel mit seinen Kommilitonen zusammen zu lernen
(und natürlich feiert). Alleine ist es extrem schwierig hier voranzukommen, womit sich dieses Studium auch von vielen anderen
unterscheidet, wo man doch eher als anonymer Verband zusammen studiert. Und auch später im Beruf ist die Teamfähigkeit eine
Grundvoraussetzung, ohne die die Arbeit im Krankenhaus oder die als selbstständiger Arzt kaum vorzustellen ist.
Fazit
Rückblickend kann ich sagen, dass, obwohl ich in meinem Leben bis zum Abitur keinen Gedanken daran verschwendet habe Medizin
zu studieren, mich wirklich wohl fühle mit dieser Entscheidung. Man muss nicht aus einer Arztfamilie kommen um dieses Studium
meistern können und man muss auch nicht unbedingt ein 1,0 Abitur haben (obwohl es natürlich für die Zuteilung eines Studiumsplatzes
extrem vorteilhaft ist). Und selbst wenn man nach einem oder einem halben Jahr merken sollte, dass dieses Studium nicht seinen
Vorstellungen entspricht, so ist diese Zeit keine verlorene sondern ein Bereicherung fürs Leben.
Diese Checkliste wurde uns freundlicherweise von Timo Nazari Shafti zur Verfügung gestellt.