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Studiengang Jura


"Die Phantasie trainiert man am besten durch juristische Studien. Kein Dichter hat jemals die Natur so frei ausgelegt wie Juristen die Gesetze."
Jean Giraudoux (1882-1944)
(frz. Schriftsteller u. Diplomat)

Jura studieren

Ganz allgemein...

Wenn ich gefragt werde, was ich studiere und diese Frage wahrheitsgemäß mit "Jura." beantworte, werde ich in den meisten Fällen teils mitleidig, teils bewundernd angesehen und höre in meisten Fällen ein Geräusch, das sich wie ein "Huuii!" anhört. Warum ?! Weil die meisten fest davon überzeugt sind, dass Jura-Studenten nichts anderes tun, als mehrere Jahre Paragrafen auswendig zu lernen und das alles ganz furchtbar schwer ist. Dem ist aber nicht so. Die gängigsten Paragrafen lernt man durch regelmäßige Anwendung ganz automatisch, für den Rest gibt es Gesetzestexte (die bei jeder Prüfung benutzt werden dürfen). Bestimmte Vorkenntnisse sind nicht wirklich erforderlich. Die Juristen haben eine eigene Art zu denken und zu sprechen (wird in der Umgangssprache als "Haarspalterei" bezeichnet). Bestimmte Schulfächer helfen einem da nicht weiter. Entweder man hat ein Gefühl dafür, oder nicht. Auswendiglernen funktioniert nur bis zu einem bestimmten Punkt; die Fülle an Stoff nimmt im Laufe des Studiums drastisch zu, d.h. es wird unmöglich alles zu lernen. Deshalb muss/sollte man in der Lage sein, allgemeine Kenntnisse auf einen bestimmten Fall zu übertragen und hinein zu interpretieren, um ihn so zu lösen. Reine Übungssache! Wenn man ein gutes Sprachgefühl hat, gut argumentieren kann, hat man schon mal die "halbe Miete". Und bevor ich’s vergesse: es empfiehlt sich eine gewisse Begeisterung für Bücher. Davon sollten im Laufe des Studiums viele gelesen werden. Ich betone: Lesen! Nicht auswendig lernen. Alles in allem kann man niemanden todsicher ein Jurastudium empfehlen, nur weil er bestimmte Fähigkeiten aufweist. In diesem Fall geht probieren tatsächlich über studieren. Man merkt ziemlich schnell, wenn man sich im Studienfach vergriffen hat.

Und nun zum Studium als solches!

Ich weise darauf hin, dass mein Bericht sich auf das Jura-Studium in Thüringen bezieht. Jedes Bundesland hat da seine eigenen Methoden (nachzulesen in der "JAPO" der jeweiligen Länder, auf der Homepage des Landesjustizministeriums zu finden). An den meisten Uni’s ist Jura übrigens zulassungsfrei, sprich ohne NC. Also, Jura in Jena...

Die Regelstudienzeit beträgt 9 Semester. Je schlechter man die Scheine zusammenbekommt, desto schneller vergeht die Zeit. Grundstudium dauert 4 Semester bei Beginn im Wintersemester (empfohlen!), bei Beginn im Sommersemester 5 Semester. Zum Abschluss des Grundstudiums muss man seine Zwischenprüfung ablegen. Darunter ist folgendes zu verstehen:
Man muss bis zum Ende des 4. bzw. 5. Semesters eine bestimmte Anzahl von Klausuren bestehen (3 im Zivilrecht, 2 im Strafrecht und 2 im Öffentlichen Recht). Die meisten scheitern am Öffentlichen Recht. Wenn man die Scheine nicht in der vorgegebenen Zeit bekommt, ist man raus. Einmal durch die Zwischenprüfung fallen, bedeutet Exmatrikulation und man kann in Deutschland kein Jura mehr studieren.
Sollte man durch eine glückliche Fügung die Zwischenprüfung bestanden haben, geht’s direkt ins Hauptstudium. In dessen Verlauf muss man 3 Praktika absolvieren: 3 Wochen am Gericht, 3 Wochen in der Verwaltung und 7 Wochen wo immer man will, sollte nur irgendwas mit Recht zu tun haben. Seit neustem muss man sich für einen Schwerpunktbereich im Hauptstudium entscheiden. Angebote sind der Homepage der jeweiligen Juristischen Fakultät zu entnehmen. Der Schwerpunktbereich wird separat zum Pflichtfachstoff geprüft und fließt zu 30 % in die Examensnote mit ein. Wobei wir auch schon beim Thema wären, das einen jeden Jurastudenten in Panik versetzt:

Das Staatsexamen

Wohl bei keinem Studiengang so gefürchtet, wie bei uns Juristen. Die Durchfallquoten sind extrem unterschiedlich: in Hamburg etwa 20%, in Jena ungefähr 35%. Es sei aber gesagt, dass die Jobmöglichkeiten der Hamburger Studenten sehr eingeschränkt sind. In Bayern zum Beispiel hat man für die norddeutschen Absolventen nur ein mildes Lächeln übrig. Die Durchfallquoten sprechen in der Tat für die Qualität des Studiums. Und bei Jura bitte nie den einfachsten Weg wählen; das rächt sich! Das 1. Staatsexamen kann einmal wiederholt werden. Sollte man schon vor Ablauf des 9. Semester fertig sein, hat man 3 Versuche (sog. Freischuss). Wenn man bei allen Versuchen scheitert, steht man im Prinzip mit leeren Händen da. Aber als angehender Jurist sollte man abgebrüht genug sein, dieses Risiko einzugehen.

Vorbereitungsdienst

Nach dem 1. Staatsexamen, das man dann wie durch ein Wunder bestanden hat, folgt der Vorbereitungsdienst (Referendariat). 21 Monate an Pflichtstationen (Gericht, Verwaltung, Rechtsanwalt etc.) und 3 Monate an einer Wahlstation. Danach folgt das 2. Staatsexamen und dann, falls bestanden, die glorreiche Tätigkeit als Jurist. Womit wir schon beim nächsten Thema angelangt wären:

Die Berufsaussichten

Katastrophe! Es gibt in Deutschland geschätzte 125.000 Rechtsanwälte und nebenbei 125.000 Jurastudenten. Mit anderen Worten: zu viele Juristen in diesem Land!! An den Gerichten sieht’s nicht anders aus. Es gibt eigentlich nicht wirklich einen Bereich, wo Juristen ganz dringend gesucht werden. Warum ich trotz dieser miesen Aussichten Jura studiere? Ich bin unglaublich optimistisch! Nicht von der derzeitigen Situation auf dem Arbeitsmarkt entmutigen lassen. Es kommen bestimmt bald bessere Zeiten.

Die Bewerbung für einen Studienplatz

Für ein Jura-Studium müsst ihr euch direkt bei der jeweiligen Uni bewerben. Bei den meisten Unis gibt es dafür ein Online-Verfahren in der Bewerbungszeit. Informationen zu den Bewerbungen und zu den Zulassungsvoraussetzungen stehen auf den Homepages der Unis.

Zum Abschluss...

Um den ganzen Druck mit Prüfungsanforderungen und Durchfallquoten zu ertragen, braucht Nerven aus Stahl. Wer die hat, sollte es zumindest versuchen!

Weiterführende Links:

http://www.jura-lotse.de/Links/Jura-Studium/
http://www.jura.uni-sb.de/internet/jurastud.html


(/jg)




 
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