Das Studium der Zahnmedizin teilt sich in einen vorklinischen und einen klinischen Abschnitt.
Die Vorklinik umfasst fünf Semester und ist ähnlich aufgebaut wie der Studiengang Humanmedizin.
Man hat also hauptsächlich Anatomie, Physik und Chemie. An der Universität Gießen finden im ersten
Semester täglich Vorlesungen zu Anatomie statt, die dann im Mikroskopierkurs und im Präparierkurs
vertieft werden. Man lernt also in der Vorlesung beispielsweise etwas über das Herz und schaut es
sich dann gleich anschließend unter dem Mikroskop und an einer Leiche an. Diesen Aufbau finde ich
sehr sinnvoll, da somit alle Sinne angesprochen werden. Man hört zunächst etwas über das Thema,
dann betrachtet man es unter dem Mikroskop und ertastet es schließlich im Präparierkurs.
Mikroskopieren ist anfangs etwas schwierig, da man zunächst mit all den kleinen „Pünktchen“ unter
dem Mikroskop kaum etwas anfangen kann. Doch nach und nach und mit viel Übung lernt man selbst die
kleinsten Strukturen zu differenzieren. Im Präparierkurs, also im Leichenkurs, teilen sich immer
ungefähr acht Studenten, meist 6 Humanmediziner und 2 Zahnmediziner, eine Leiche. Die Körperspender
sind immer über 60 Jahre alt und haben sich freiwillig und unentgeltlich für das Medizinstudium zur
Verfügung gestellt. Sie sind, wenn sie bei euch auf einem Tisch liegen, schon mindestens ein Jahr tot
und waren in einer Lösung eingelegt, so dass jegliche Keime schon abgetötet sind. Das erste Mal, wenn
man vor so einem toten Menschen steht, ist das schon ein recht komisches Gefühl, denn die Leiche sieht
ganz schrumpelig und gräulich aus. Aber auch an das gewöhnt man sich! Vor solchen Kursen sollte man allerdings
immer etwas vorher gegessen haben, da der Geruch nach Formalin und der Anblick doch etwas gewöhnungsbedürftig sind!
Man hat aber auch immer einen Hilfsassistenten am Tisch, ein Student aus einem höheren Semester, der einem stets
freundlich zur Seite steht und unterstützt. Des Weiteren ist meist immer ein Professor zwei Tischen zugeteilt, der
die Präparation der Leiche betreut und lehrt. Das Unangenehmste ist anfangs eigentlich das Entfernen der Haut mit
einer Pinzette und einem kleinen Skalpell, das man sich selbst besorgen muss. Das ist der erste Schritt der Präparation.
Dann kommen nach und nach alle Muskeln zum Vorschein und schon schaut die Leiche gar nicht mehr „menschlich“ aus und es
lässt sich einfacher mit ihr arbeiten. Auch wenn sich dieser Präparierkurs vielleicht zunächst eklig anhört, war es für
mich das Spannendste im ganzen ersten Semester. Wenn man selbst mal den Bizepsmuskel oder später die Organe mit der
eigenen Hand (natürlich hat man immer Handschuhe an!) erfühlen und ertasten kann, bekommt man ein viel besseres Gefühl
für das, was man lernt. Nach ein paar Tagen gewöhnt man sich also schnell an das Arbeiten mit einer toten Person und ist
von Tag zu Tag mehr fasziniert, wie genial der menschliche Körper eigentlich aufgebaut ist!
Damit man nach 3 Semestern (solange geht meistens dieser Anatomiekurs) dann seinen
Anatomieschein bekommt, muss man 5 Prüfungen absolvieren. In jedem Semester finden
(zumindest an der Universität Gießen) 2 Anatomieprüfungen statt, die alle mündlich
sind. Das erste Testat ist nur am Mikroskop und beinhaltet Fragen rund um verschiedene
Grundgewebearten, die man auf dem Mikroskopierbild erkennen muss. Das zweite Testat dreht
sich rund um die menschliche Muskulatur, die man dann an der Leiche identifiziert.
Im 2. Semester lernt man dann die inneren Organe des Menschen kennen, die dann ebenfalls
in 2 Testaten geprüft werden. Insgesamt ist Anatomie das lernaufwändigste, aber auch das
interessanteste Fach, das sehr viel Spaß macht!
Ansonsten hat man im ersten Semester noch jeweils vier Stunden die Woche eine Chemie- und eine Physikvorlesung.
Im zweiten Semester wird dann dieses Wissen in Praktika vertieft. Chemie und Physik ist beides auch ohne
großen Vorkenntnisse aus der Schule zu schaffen, wenn man ein wenig Zeit dafür investiert. Es muss also
niemand Angst haben, daran zu scheitern!
Was Zahnmedizin betrifft, hat man im ersten Semester eine doppelstündige Vorlesung über
Zahnheilkunde und Werkstoffkunde. Diese Vorlesung ist Voraussetzung für das 3. Semester,
in dem man dann den ersten praktischen TPK –Kurs hat. Diese Vorlesung ist sehr trocken und
auch eher langweilig, da man selbst praktisch noch gar nichts machen kann.
Nach dem 2. Semester steht dann das Vorphysikum bevor. In dieser Prüfung wird Biologie,
Chemie und Physik mündlich abgefragt.
Nach den 5 Semestern Vorklinik schließt sich noch mal 5 Semester lang die Klinik an, in
der dann schon richtige Patienten behandelt werden.
Insgesamt ist das Studium der Zahnmedizin ein sehr schönes und spannendes Studium, dem
zunächst ein umfangreicher Studienabschnitt über die allgemeine Anatomie vorausgeht. Erst
im 3. Semester (zumindest an der Uni Gießen) geht es mit der eigentlichen Zahnmedizin richtig los!
Voraussetzungen
Voraussetzungen für das Studium sind ein guter Abiturschnitt
und viel Fleiß und Geduld. Der Lernumfang ist doch enorm und darf nicht unterschätzt
werden! Die Kosten sind allerdings relativ hoch, da für den TPK-Kurs in der Vorklinik
ein sehr teurer Kasten gekauft werden muss, der über 1000 Euro kostet! Auch im klinischen
Abschnitt müssen viele Arbeitsmaterialien selbst erworben werden.
Abschließend kann ich sagen, dass ich mich, wenn ich mich noch mal entscheiden müsste,
was ich studieren soll, wieder für Zahnmedizin entscheiden würde!
Bei diesem Studiengang werden die Studienplätze ausschließlich über die ZVS vergeben. Nähere Infos zur Bewerbung
über die ZVS erhaltet ihr in unserem Artikel Bewerbung über die ZVS.
Dieser Text wurde uns freundlicherweise von Felicitas Zepnik zur Verfügung gestellt.