Navigation:
Du befindest dich hier:
› aktuelle Seite

Der Auslandsaufenthalt während des Studiums

Warum Ausland?

Ich sitze auf meinem gepackten Koffer, froh, den Reißverschluss zubekommen zu haben und starre gespannt auf die Anzeigetafel im Terminal 1. Noch zwei Flüge sind vor meinem und dann kann es losgehen. Ich habe es tatsächlich gewagt und bin auf dem Weg nach Spanien, um dort für zwei Semester mein Medizinstudium fortzusetzen. Ein Jahr voller noch nicht gelebter Erfahrungen wartet auf mich. Ein neues Land, eine fremde Sprache, neue Kommilitonen und Dozenten, eine andere Kultur... Werde ich dort alles verstehen? Wie soll ich bloß eine Wohnung finden? Wie schnell würde ich Freunde finden und wie lange würde ich brauchen, um mich im Studium zurechtzufinden? Würden mir alle dort erbrachten Leistungen anerkannt werden? Hatte ich auch nichts vergessen? Viele Fragen gingen mir an jenem Tag durch den Kopf und dennoch blickte ich voller Erwartungen und Vorfreude auf das kommende Jahr. Ein Auslandsaufenthalt während des Studiums – warum entschied ich mich dafür?

In erster Linie ist es eine sehr gute Gelegenheit, um während des Studiums seinen Horizont zu erweitern, da man eine andere Kultur kennen lernt. Dazu gehört auch, dass man eine fremde Sprache erlernt, was nirgendwo besser geht als in deren Heimatland, und heutzutage in unserer global immer stärker zusammenwachsenden Welt zunehmend an Bedeutung gewinnt. Beispiels­weise in medizinischen Berufen kann einem die Kenntnis anderer
Sprachen im Um­gang mit Patienten sehr zugute kommen. Patienten fassen schneller Vertrauen, wenn man sie in ihrer Mutter­sprache an­spricht, und erzählen bereitwilliger und ausführlicher von ihren Beschwerden, was einen großen diagnostischen Wert hat. Des Weiteren geben Auslands­­auf­enthalte die Möglichkeit für ein besseres Verständnis der Denkweisen und Probleme von Immigranten, da man am eigenen Leib erfährt, was es bedeutet, sich als „Ausländer“ in einem Land zu fühlen, und wie man lernt, sich dennoch zurechtzufinden. Nicht zuletzt wächst man unheimlich in seiner Persönlichkeit, da man im Ausland verschiedensten Herausforderungen begegnet, die man zu meistern lernt. Lebt man eine Zeit lang in einem anderen Land, lernt man das eigene bisher als selbstverständlich wahrgenom­mene Denken kritisch zu hinterfragen und zu relativieren. Man lernt die Stärken des eigenen Landes, des politischen Systems, des Gesundheitssystems und vieles mehr zu schätzen. Man kann aber auch Schwächen und Defizite besser benennen, da man so praktisch wie noch nie zwei Länder miteinander vergleichen kann. In diesem Sinne kann man folgendes Zitat im doppelten Sinne ver­stehen:

„Nur wer sich auf den Weg macht, wird neues Land entdecken.“ (Hugo von Hofmannsthal)

VORHER

Wie bewerbe ich mich?

Wie gehe ich nun vor, wenn ich den Entschluss gefasst habe, ein oder zwei Semester im Ausland zu studieren? Der einfachste Weg ist über das sogenannte Erasmus-Förderprogramm. Allerdings beschränkt sich die Auswahl der Studienorte dann auf die jeweiligen Partnerunis in Europa, die unter Umständen weniger Plätze als Bewerber anbieten. Deshalb möchte ich hier ein paar Tipps geben, was du bei deiner Bewerbung beachten solltest und berichte am Beispiel von Marburg wie die Bewerbung für einen Auslandsaufenthalt in etwa aussieht.

Du solltest dich etwa ein halbes Jahr vor Beginn des Auslandsaufenthaltes bei der Heimatuniversität bewerben. Dazu gibt es in der Regel für jeden Fachbereich ein Referat für Internationale Angele­genheiten, wo du die nötigen Informationen und Bewerbungs­for­mu­lare erhältst und auch Bera­tungen zum Studiengang in Anspruch nehmen kannst.

In einem vorgefertigten Bewerbungsformular werden wichtige Informationen zur Person abge­fragt, welches gemeinsam mit einem Passfoto abgegeben wird. Du kannst maximal drei Universi­täten angeben, an denen du gerne studieren möchtest. Diese Zahl empfiehlt sich auch zu nutzen, da sie die Chance auf eine positive Rückmeldung erhöht. In einem kurzen Motivationsschreiben begründest du den oder die gewählten Studienort(e) und erklärst, warum du gerne im Ausland studieren möchtest. Wichtig dabei ist, dass du auch speziell auf das jeweilige Land bzw. die jeweilige Stadt eingehst und möglichst plausibel schilderst, warum du genau dort hin möchtest. Damit erhöhst du deine Chancen, ausgewählt zu werden. Erwähne hier auch deine Fremdsprachenkenntnisse und dein kulturelles Interesse. Des Weiteren wird ein kurzer tabellarischer Lebenslauf verlangt. Gib hier möglichst alle Auslands­aufenthalte an, die du bereits gemacht hast. Auch Erfahrungen im Inland, beispielsweise mit auslän­dischen Mitbürgern oder Immigranten, können hilfreich sein. Außerdem benötigst du einen Nachweis deiner Sprachkenntnisse der jeweiligen Landessprache der Gastuniversität. Leider genügt das Schulzeugnis hierbei nicht. Der Sprachnachweis kann bei­spielsweise über ein Sprachdiplom, einen Volkshochschulkurs, einen Sprachkurs an der Uni, über das Sprachenzentrum oder durch eine Lektorenbescheinigung erbracht werden. Da die Lektorenbe­scheinigung jedoch meist genauso viel kostet wie ein Sprachkurs und du bei Letzterem deine Sprachkenntnisse noch verbessern kannst, macht ein Sprachkurs in der Regel mehr Sinn. Es kann sein, dass du in deinem Studienfach bereits erbrachte Zwischenzeugnisse vorweisen musst. Bei Medizinern muss beispielsweise das bestandene Physikum, bei Humanbiologen das Vordiplom als Kopie eingereicht werden. Um im Ausland erbrachte Studienleistungen mit den entsprechenden Fächern im Inland vergleichen zu können, gibt es sogenannte ECTS-Credits, die den Aufwand eines Faches numerisch angeben. Im Learning Agreement werden die Credits der angestrebten Fächer der ausländischen mit denen der Heimatuniversität in tabellarischer Form gegenüber gestellt. Das heißt du trägst alle Fächer, die du im Ausland belegen möchtest, in dein Learning Agreement ein und suchst dazu die jeweiligen Credits auf den Uni-Homepages oder mithilfe des Erasmus-Koordinators für deinen Fachbereich. Somit kann man vergleichen, ob die im Ausland erbrachten Leistungen denen im Inland entspre­chen. Dennoch besteht durch das Learning Agreement keine absolute Garantie für die Anerkennung von Studienleistungen. Wenn du also auf Nummer Sicher gehen möchtest, empfiehlt sich ein Gespräch mit den jeweiligen Dozenten. Weiterhin solltest du dich vor dem Auslandsaufenthalt auch über den Lehrumfang sowie -inhalt der jeweiligen Fächer informieren und sie mit denen an der Heimatuniversität vergleichen. Informiere dich darüber, wie lange beispielsweise ein Praktikum an deiner Heimatuni geht und ob Klausurinhalte zusammenpassen. Pro Semester sollten 30 ECTS-Credits angegeben werden, jedoch ist es in vielen Studiengängen nicht schlimm, wenn man letzt­endlich nicht alles schafft, da die Zahl oft nur als Richtwert gilt. Informiere dich dazu vor dem Auslandsaufenthalt bei deinem Fachbereichskoordinator.

Erhalte ich finanzielle Unterstützung?

Während des Auslandsaufenthaltes wird man im Rahmen des Erasmus-Programmes finanziell unterstützt. Dazu beantragst du, wenn du den Platz im Ausland bereits zugesagt bekommen hast, einen Mobilitätszuschuss, der dazu dient, die im Ausland zusätzlich entstehenden Kosten zu decken. Er liegt in etwa bei 150 Euro pro Monat, ist jedoch je nach Bundesland unterschiedlich. Zusätzlich besteht die Möglichkeit wie im Inland Bafög zu beantragen. Da für das Auslands-Bafög jedoch etwas andere Bedingungen gelten, die generell etwas „milder“ sind, würde ich dir empfehlen auch dann einen Antrag zu stellen, wenn du im Inland kein Bafög bekommst.

Bin ich auch im Ausland ausreichend versichert?

Das kommt ganz auf deine Krankenkasse an. Oft ist es jedoch so, dass eine Zusatzversicherung im Ausland empfohlen wird, da durch die Krankenkassen nicht alle möglicherweise entstehenden Kosten abgedeckt werden. Informiere dich hierzu am besten direkt bei deiner Krankenkasse, ob dies sinnvoll und notwendig ist.

Brauche ich ein Konto im Ausland?

Bei nur wenigen Banken kannst du im Ausland kostenlos Geld abheben, was du vor deinem Auslandsaufenthalt klären solltest. Je nachdem wie lange du im Ausland bleibst, kann es sich also lohnen im Ausland ein Konto einzurichten oder in Deutschland zu einer Bank zu wechseln, bei der das kostenlose Abheben im Ausland möglich ist. Bankangelegenheiten in einer Fremdsprache zu klären ist allerdings nicht das Einfachste, weshalb ich dir raten würde, für die erste Zeit deines Aufenthaltes in jedem Fall genügend Bargeld mitzunehmen bzw. zur Not Geld von deinem deut­schen Konto abzuheben, was pro Abheben um die 4 Euro kostet. Für Spanien kann ich dir die Banken CAM und Santander empfehlen, die für Studenten relativ günstig sind.

IM AUSLAND

Wie finde ich mich zurecht?

Die erste Herausforderung im Ausland ist die Wohnungssuche. Oft helfen dabei Erfahrungen und Berichte ehemaliger Outgoings weiter, zu denen es sich lohnt Kontakt aufzunehmen. Dazu bekommst du vom Erasmus-Koordinator eine Liste mit deren e-mails zugeschickt. Weiterhin besteht die Möglichkeit über studi-vz- oder facebook-Gruppen eine Wohnung zu finden. Es kann jedoch auch von Vorteil sein, wenn du dich erst einmal in einem Hostel einquartierst und dir dann vor Ort eine Wohnung suchst, womit man sich eventuell einen Umzug sparen kann. Also, bloß keine Panik, wenn du vor deinem Aufenthalt noch keine Wohnung hast! Wenn du irgendwie die Möglichkeit hast, würde ich dir empfehlen nicht mit anderen Erasmus-Studenten, sondern mit „Einheimischen“ zusammenzuziehen, weil du so viel besser das Land und die Sprache kennen lernst. Ziemlich zeitgleich oder sogar schon früher wird dir die nächste Herausforderung begegnen: die Sprache. Auch da gilt: bloß nicht panisch werden! Es ist völlig normal, dass du trotz eventuell vorhandener Grundkenntnisse erst mal gar nichts verstehst. Man bekommt jedoch meist schneller als gedacht ein gewisses Sprachgefühl und kann sich immer besser zurechtfinden. Oft werden von der Gastuniversität vor Vorlesungsbeginn Intensivkurse angeboten. Diese sind leider nicht immer kostenlos, lohnen sich aber nach meiner Erfahrung trotzdem, denn man kann sich durch diese schneller und besser im Land zurechtfinden und fühlt sich auch für den Unterrichtsbeginn vorberei­teter. Ein weiterer Vorteil dieser Sprachkurse ist der soziale Faktor, da einem solch ein Kurs den Einstieg in das Erasmus-Leben sehr erleichtern kann und bereits Freundschaften geknüpft werden können.

Wie läuft das Studium im Ausland ab?

Prinzipiell unterscheidet es sich gar nicht so sehr von dem Studium in Deutschland. Die Immatri­kulation an der Gastuniversität läuft meiner Erfahrung nach etwas chaotisch ab. Es gibt jedoch auch an der Gasthochschule einen Erasmus-Beauftragten, den man kontaktieren kann und früher oder später wird sich alles regeln. Also, auch hier gilt: kein Grund zur Sorge! Um gut vorbereitet zu sein, empfiehlt es sich immer genügend Passfotos dabeizuhaben, da man ständig welche braucht – und mindestens genauso wichtig ist Geduld ;-) Bei jeglichen Fragen zum Studium ist es in der Regel immer gut, sich an die „einheimischen“ Studenten zu wenden, die einem meist auch gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen. Weiterhin kannst du dich auch immer an den Erasmus-Beauftragten wenden.

NACHHER

Werden die im Ausland erbrachten Leistungen in Deutschland angerechnet?

Wie oben bereits beschrieben, solltest du dich vor deinem Auslandsaufenthalt genau über Inhalt und Umfang der jeweiligen Fächer informieren. Damit dir die erbrachten Leistungen dann auch aner­kannt werden, solltest du genau formulieren, was in den jeweiligen Fächern gemacht wurde, dir dies von dem zuständigen Dozenten der Gasthochschule unterschreiben lassen und es in englischer Übersetzung deiner Heimatuniversität vorlegen. Vom Sekretariat des betreffenden Studienfaches wird dann eine Äquivalenzbescheinigung ausgestellt. Wenn eine Prüfung im Ausland zu schwierig sein sollte, kannst du dir das Fach unter Umständen auch nur zum Teil anerkennen lassen. Du kannst beispielsweise ein Praktikum im Ausland absolvie­ren und die dazu gehörige Prüfung dann an der Heimatuniversität schreiben. Das alles hört sich jetzt ziemlich kompliziert an. Ich kann jedoch aus meiner eigenen Erfahrung sagen, dass man sowohl an der Gast- als auch an der Heimatuniversität meist auf sehr viel Unter­stützung stößt. Insgesamt hat sich mein Auslandsaufenthalt in jeder Hinsicht sehr gelohnt und ich kann es nur weiterempfehlen.


Julia Volkert (11.5.2011)

Die neuesten Foreneinträge


Die neuesten Studienplatztausch Anzeigen




Die [uni-pur.de]-Umfrage

Ist es schwer, einen Studentenjob zu bekommen?



Die neuesten Studentenjobs

Copyright 2005-2017 [uni-pur.de]

Datenschutz