Navigation:
Du befindest dich hier:
› aktuelle Seite

4.Semester der Vorklinik - Teil 2

Wie in Teil 1 erwähnt findet in diesem Semester ebenfalls das Praktikum zur Einführung in die klinische Medizin statt. Die Ärztliche Approbationsordnung sieht vor, das dieses Praktikum vor dem 1.Staatsexamen durchgeführt werden muss. Es dient als eine Möglichkeit, die medizinschen Grundlagen aus Anatomie, Physiologie usw. mit ärztlichen Fertigkeiten zu verknüpfen. Auch werden durch dieses Programm mehrere Inhalte, die fester Bestandteil des alltäglichen Arztberufes sind, wie zum Beispiel das Verhalten dem Patienten, die Anamneseerhebung und erste Untersuchungstechniken den Studenten näher gebracht.
Um am Praktikum erfolgreich teilnehmen zu können, benötigt man ein Stethoskop, eine Visitenlampe und einen Reflexhammer. Auch bei diesem Praktikum darf der Arztkittel nicht fehlen.
Alle Praktika finden innerhalb der Räume der Unikliniken statt, die dann für die einzelnen Gruppen gekennzeichnet sind. Beginnen tut es mit einer Vorlesung in einem der alten Saale oder auch in größeren Gruppen in den Räumen, indem erstmal das jeweilige Thema angerissen wird und Schritt für Schritt die Hauptpunkte erarbeitet werden. Dies setzt natürlich eine Vorbereitung des Themas voraus -Aber dazu später.
Anschließend darf man nach der Besprechung zum jeweiligen Themenbereich die unterschiedlichen Untersuchungstechniken üben. Überprüft wird dies durch Studenten aus höheren Semestern. Sie stehen einem immer zur Hilfe bereit und versuchen die
aufkommenden Fragen bestmöglichst zu beantworten. Manchmal teilt man sich in kleinere Gruppen auf und übt die Techniken aneinander im Wechsel. Zugegeben- manchmal erkennt man nicht alles auf Anhieb und braucht mehrere Versuche. Manchmal gelingt es einem überhaupt nichts - das sollte Euch aber nicht entmutigen. Auch die Studenten aus den höheren Semestern haben gesagt, dass das alles Übungssache ist und mit der Zeit kommt (Und das 4.Semester ist zeittechnisch alles sehr knapp bemessen).

Das Praktikum ist in 6 verschiedene Themenabschnitte unterteilt (Es ändert sich jedes Jahr aufs Neue und immer wird dabei ein Thema gestrichen- bei uns wurde die Ophthalmologie nicht unterrichtet und dementsprechend auch nicht geprüft.):
  • Anamnese & Thorax
  • Abdomen
  • HNO
  • Neurologie
  • Bewegungsapparat
  • Pädiatrie

Anamnese & Thorax

Ich fand es zu Beginn etwas verwirrend, dass es das Thema Anamnese gleich zu Beginn gab. Ich hatte mir vorgestellt, dass es je nach Thema immer unterschiedlich ablaufen müsse. Natürlich gibt es je nachdem, in welchem Gebiet man arbeitet, spezifische Fragen, die in anderen Gebieten nicht (dringend) erfragt werden. Jedoch gibt es ein allgemeines Schema, welches einem gleich zu Beginn eingeschärft wird, mit dem man immer das Gespräch beginnen kann. Auch auf die eigene Vorstellung ist zu achten - Ich hätte dem ehrlich gesagt weniger Beachtung geschenkt, aber es ist dennoch sehr wichtig, sich richtig vorzustellen und seine Position und seine Intention oder Aufgabe am Anfang deutlich zu machen. Und es ist überraschend, wie viele Details man durch zusätzliche Fragen, die einem zuerst als unnötig erscheinen, erhalten kann. Sehr viele Details wie die Beschreibung des Schmerzes liefern Aspekte, die man für die Untersuchung auf dem Weg zur Diagnose für die Deduktion der Möglichkeiten ausnutzen kann. Aber auch durch die Familien- und Berufsanamnese kommen Einzelheiten dazu, die die Möglichkeiten an Krankeheitsbilder eventuell eingrenzen. Im Folgenden werde ich die Themen nur anschneiden und einen kurzen Einblick geben, da es zu lange werden würde, wenn ich auf jedes Thema ganz genau eingehen würde: Thorax - Man beginnt schon an der Kopf- und Halsgegend und achtet aufs Äußere. Es kommt hier besonders auf die Perkussion an, bei der man die Körperoberfläche zur Diagnose abklopft. Man lernt, zwischen vesikulären und bronchialen Atemgeräuschen zu unterscheiden. Auch werden einem nochmal die Auskultationspunkte sowie die Krankheitsbilder im Thoraxbereich nähergebracht. Abdomen: Hier gilt es als besonders wichtig die Palpation, also die Untersuchung des Körpers durch das Betasten, durchzuführen. Sämtliche wichtige Strukturen wie auch lebenswichtige Organe werden durch für sie spezifisch entwickelten Tests überprüft. Es gibt auch den Unterabschnitt „rektale Untersuchung“, der uns zum Glück erspart blieb.
HNO: Auch hier ist die Palpation ein Hauptteil der Untersuchung. Jedoch tritt man erstmals hier auf die Hirnnerven. Hier kann die Untersuchung etwas unangenehmer sein als in den vorherigen Abschnitten. Im Abschnitt der Otoskopie werden die Geräte zur Verfügung gestellt. Neben der Prüfung von Sprech- und Hörvermögen hat man entsprechende Untersuchungen für das Vestibularorgan. Hier ist der Begriff „Nystagmus“ das Stichwort.
Neurologie: Hier verbringt man sowohl sehr viel Zeit mit der Anamnese als auch der danach folgenden langen Reihe an Untersuchungstests. Man prüft den Patienten auf meningeale Reizungen und anschließend werden alle 12 Hirnnerven geprüft. Anschließend prüft man mit sehr unterschiedlichen Tests die Motorik des Patienten auf Reflexe, Muskeltonus,Rigor usw. Untersuchungen zur Sensibilität und Koordination schließen die Untersuchungsreihe ab.
Bewegungsapparat: Dies dauert mit Abstand am längsten - noch länger als das Thema Neurologie. Man beginn am Oberkörper an der Schulter und setzt sich fort durch alle Abschnitte der oberen Extremität. Anschließend von der Hüfte entlang die untere Extremität. Viele verschiedene Tests, die dann das gleiche Gebiet/Gelenk auf unterschiedliche Weise prüfen, werden dazu benötigt. Bei der Pädiatrie hat man nicht viel zu tun sondern lernt viel mehr den Umgang mit Patienten. Besonders jedoch auch wie man mit Kindern anders umgeht. Auch wurde auf das Thema Kindesmissbrauch und die damit verbundenen Schwierigkeiten hingewiesen.

Man hat zur Vorbereitung sowohl das Skript als auch die OLAT-Lernplattform, bei der für jedes Thema dann die Thematik, Beispiele aber auch Fälle (zum Überprüfen des eigenen Wissensstandes) vorliegen. Mir persönlich hat neben der Fülle an Informationen auch sehr geholfen für jedes Thema meine eigene Kurzfassung an Untersuchungsschema aufzuschreiben, da die Lernplattform zu ausführlich aber der kleine Lernzielkatalog zu grob formuliert war.

Das Praktikum endet mit einer Prüfung und auch hier gibt es zu Beginn eine kurze Einführung. Das Besondere an dieser Prüfung: Das Handhabung der Zeit. Man steht im Gang vor der Tür - es gibt für jedes Thema einen Extraraum, den man nach dem Ertönen des Signals mit einem zufällig ausgewählten Partner betritt. Man hat dann einen gewissen Zeitraum von ungefähr 3-5 Minuten, indem man den Patienten in Anwesenheit der Prüfer „behandelt“. Man erhält nach jeder Behandlung eine entsprechende Punktzahl. Es gibt eine Mindestsumme an Punkten, die man ereichen muss um bestehen zu können. Dies ist aber sehr großzügig gewählt und trotz der anfänglichen Panik braucht man sich keinen Stress machen. Auch wenn der eine oder andere Prüfer ziemlich gemeine Fragen oder Fälle bietet, kann man es hinkriegen, wenn man das entsprechende Schema drauf hat.

(sm) (2017)
Copyright 2005-2017 [uni-pur.de]

Datenschutz