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Die Zeit der Prüfungen – die Zeit der Angst?

Das Gefühl ....

Jeder kennt es, dieses Gefühl, das man schlecht beschreiben kann, das aber trotzdem so stark ist und den Kopf völlig leer fegt: die Prüfungsangst. Die Symptome sind so vielfältig wie unangenehm und reichen von Nervosität bis hin zu Vermeidung und Flucht.

Aber woher kommt diese Angst? Gibt es Taktiken, um sie zu vermeiden? Und wie kann ich mich auf die nächste Prüfung richtig vorbereiten?

Hier findet ihr einen kleinen Plan, an den ihr euch ganz einfach halten könnt, falls euer Magen vor der nächsten Prüfungssituation wieder mal völlig verrückt spielt.

Was kann ich tun?

Erst mal ist es ganz wichtig, dass ihr euch bewusst macht: Angst zu haben ist ganz normal! Aus evolutionärer Sicht ist Angst eine wichtige Überlebenstaktik und unser Körper ist nicht ohne Grund in Alarmbereitschaft. Das ausgeschüttete Adrenalin bringt unseren Körper zu Höchstleistungen. Und das ist wichtig, nur nicht immer gewollt. Die entstehende Energie richtig zu nutzen, kann aber gelernt werden, auch bei Prüfungen.

Bevor ihr jetzt glaubt, Prüfungsangst äußere sich durch einen zitternden Körper oder "nur" durch Nervosität, bedenkt bitte, dass jeder Körper anders mit Stress umgeht. So zählen Übelkeit, Schwitzen, Beklemmungsgefühle, Herzklopfen, Appetitlosigkeit und Schlafstörungen, der so genannte "Blackout" sowie die akute Versagensangst auch zu den unangenehmen Begleitern
einer Prüfung. Wir haben – meist unbewusst – die Angst zu versagen und befürchten als Ergebnis das Schlimmste. Doch die Gründe, warum wir vor einer Prüfung durchdrehen können sind so verschieden wie die Emotionen in dieser Situation.

Negative Vorerfahrungen führen dazu, dass man ängstlicher in eine Prüfung geht. Leider lassen wir uns auch sehr von anderen und deren Erfahrungen beeinflussen. Oder habt ihr nie ältere Jahrgänge gefragt, wie eine Prüfung bei XY abläuft, oder welche Dinge man unbedingt lernen sollte und welche nicht? So formen Vorerfahrungen – die eigenen wie die anderer – unsere Einstellung und Erwartung gegenüber einer Prüfung. Unser Wissen oder Nicht-Wissen wird dann von externen Autoritäten beurteilt und deshalb versucht man ein gutes Bild abzugeben. Legt man jetzt aber zu viel Wert darauf, bestimmte Erwartungen zu erfüllen, kommt es zur Versagensangst. Alleine die Angst vor der Angst kann schon zu Beklemmung führen und wie andere negative Gefühle den Kopf sogar ganz leer fegen. Damit die Bewertung von anderen nicht mehr diesen Einfluss hat, kann man einige kleine Dinge beachten: Als erstes solltet ihr euch lange vor der Prüfung ein Ziel setzen, das objektiv erreicht werden kann. Ist das Ziel zu hoch gesetzt, gibt man eher auf halber Strecke auf, als dass man den Ehrgeiz entwickelt weiter zu machen. Ist das Ziel zu leicht zu erreichen, wir man zu schnell übermütig und hört auf, sich zu engagieren. Beides hat negative Folgen auf die Leistung. Ob euer Ziel objektiv und erreichbar ist, hängt stark von eurer Vorbereitung ab. Das ist auch der zweite Punkt, den ihr bei der Prüfungsvorbereitung beachten solltet. Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete. Dafür gibt es einige Techniken, die man lernen kann:
  • Aktives Lernen: Versucht euch in die Prüfung hinein zu versetzen. Überlegt euch Fragen, die der Prüfer mündlich oder schriftlich stellen könnte und schreibt sie auf Karteikarten. Auf die Rückseite kommt dann die Antwort und los geht’s mit dem Lernen. So habt ihr ein Konzept im Rücken, das ihr durch häufiges Wiederholen auch unter extremem Stress nicht so leicht vergesst.
  • Zeitmanagement: Macht euch einen Lernplan über Tage oder Wochen hinweg. Setzt euch kleine Zwischenziele, die ihr bis zu einem bestimmten Datum gelernt haben wollt. Plant auch mal Pausen ein. Das beste Lernen bringt nichts, wenn man sieben Stunden am Stück alles in den Kopf hämmert. Eine 10-minütige Pause alle 90 Minuten ist für den Körper die beste Belohnung. Und danach geht’s wieder besser weiter.
  • 72-Stunden-Regel: Damit das gepaukte Wissen auch in eurem Kopf bleibt, lasst dem Kopf Zeit! Forscher haben heraus gefunden, dass ein Abstand von ca. 72 Stunden benötigt wird, um komplexes Wissen zu konsolidieren. D.h. wenn ihr euch das nächste Mal abfragt, reicht eine Pause von zwei Stunden nicht aus. Erst wenn ihr den Inhalt nach drei Tagen noch wisst, habt ihr neue Synapsen in eurem Gehirn aktiviert und seit sicher informiert.
  • Mnemotechniken: Diese Techniken lassen sich ebenfalls erlernen und können helfen, viele Wissensinhalte im Gehirn zu ordnen. Bekannte Beispiele sind die "bildhafte Vorstellung" und die "Methode der Orte". Bei der bildhaften Vorstellung versucht man die gelernten Inhalte in Bildern zu merken, bei der Methode der Orte verknüpft man das gelernte Wissen mit Teilen eines Ortes oder einer Strecke, welche man geistig abschreiten kann, um die einzelnen Inhalte zu erinnern.
  • Mündliche Prüfungen: Hier ist es wichtig, dass ihr euch nicht von der Mimik des Prüfers verunsichern lasst oder anderen Ablenkungen zu viel Aufmerksamkeit schenkt. Versucht beim Lernen das gelernte Wissen laut und ruhig vor euch her zu sagen. Probiert auch neue Umgebungen aus oder lasst euch von einem Freund oder einer Freundin abfragen. Erstens übt ihr dabei den Inhalt und zweitens könnt ihr mit verschiedenen Prüfungssituationen flexibler umgehen.
Natürlich gibt es auch Dinge, die ihr vermeiden solltet, damit ihr in einer Prüfung einen klaren Kopf behaltet. Auch hier gilt, wer gut vorbereitet ist, macht weniger Fehler. Dabei ist es wichtig, dass ihr euch nicht auf Details stürzt und dadurch den Gesamtüberblick verliert. Falls ihr Angst habt, in der Prüfung auf eine Frage keine Antwort zu Wissen, geht über zur nächsten Frage. Keiner kann alles wissen und keiner kann sich jedes kleinste Details merken. Der "Mut zur Lücke" bringt euch weiter als unsicheres Rumgestammel bei einer Antwort! Wichtig ist, dass ihr einen Überblick über den Prüfungsinhalt habt und zu jedem Thema ein bisschen erzählen könnt. Zu viel Kaffeekonsum oder die durchzechte Nacht solltet ihr natürlich auch vermeiden, denn Kaffee macht nervös und wenig Schlaf schadet schließlich eurem Gedächtnis. Da wäre die tolle Vorbereitung ja umsonst gewesen...

Plötzlich ist es soweit, der Tag der Prüfung ist da! Aber was heißt hier plötzlich? Mit eurer guten Vorbereitung kann euch nichts mehr überraschen! Bleibt souverän und freundlich und glaubt an euch und eurer Wissen. Falls ihr dann doch mal vor der Prüfung ein Kribbeln im Bauch spürt oder eurer Herz bis zum Hals klopft, ist es wichtig, euer Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Lasst euch nicht durch irgendwelche Kleinigkeiten oder Stressgefühle ablenken. Schließt die Augen, atmet ein paar Mal tief ein und wieder aus und konzentriert euch auf eure geleistete Arbeit und auf euer Wissen. Das kann euch keiner mehr nehmen!

Und zum Schluss noch ein paar Erfahrungsberichte von Studenten:

  • Laura, 21: Ja, ich hatte schon mal Prüfungsangst. Damals war ich nervös, hatte Herzklopfen und eine innere Beklemmung. Ich kenne diese Gefühle auch schon von der Schule. Direkt vor der Prüfung wird mir dann meistens etwas flau im Magen. Das kann dann bis zu Beginn der Prüfung anhalten. Meistens atme ich dann tief durch, rede mir gut zu, so in der Art: „Das packst du schon!“ und dann bekomm ich mich auch wieder in den Griff. So konnte ich auch ein Blackout bis jetzt vermeiden.
  • Martin, 21: Prüfungsangst äußert sich bei mir immer durch Schlaflosigkeit schon Tage davor und meistens auch durch Übelkeitsgefühle kurz vor der Prüfung. Leider kreisen meine Gedanken Tage davor schon um die Prüfung, aber das legt sich dann glücklicherweise unmittelbar bevor die Prüfung startet. Darauf vertraue ich auch immer vor der Prüfung, denn irgendwelche Hilfstechniken hab ich noch nicht gebraucht. Und wenn es doch mal vorkommen sollte, dass ich ein Blackout habe, dann überlege ich länger und versuche mit einer Alternative zu antworten.
  • Dorothea, 21: Wenn ich vor einer Prüfung stehe werde ich nervös, weil mir die Fragen nicht bekannt sind. Leider befürchte ich auch, dass der Prüfer in der mündlichen Prüfung einschläft. Sobald ich mich mit der Thematik beschäftige, bekomme ich diese Unsicherheit und bezweifle, dass mein gelerntes Wissen ausreicht. Aber ein Blackout hatte ich glücklicherweise noch nicht. Wenn ich die Fragen nicht beantworten konnte, dann wusste ich sie auch nicht *g*
  • Inga, 22: Vor einer Prüfung hab ich meistens schwitzige Hände und habe keinen Appetit. Mein Magen spielt auch schon mal verrückt und ich schlafe schlecht. Damit ich bei der Prüfung aber nicht durchdrehe mache ich davor immer einen Spaziergang oder Sport. So konnte ich ein Blackout während der Prüfung vermeiden.
  • Fabian, 21: Ich bin schon Tage vor einer Prüfung total panisch und meine Gedanken drehen sich immer darum, wie viel ich im Vergleich zu anderen noch hätte machen können. Ein Beruhigungsbier davor oder danach hilft auch schon mal. *g* Ganz kurz vor der Prüfung hab ich dann eher die „mir-ist-alles-egal“-Stimmung und ich ignoriere die Prüfungssituation. So hab ich ein Blackout vermieden.
  • Melanie, 22: Prüfungen machen mich nervös und ich fange an zu schwitzen. Das hält dann bis zur Prüfung an und wenn die Fragen dann kommen ist alles wieder in Ordnung. Ein Blackout hatte ich noch nie.
  • Teresa, 21: Prüfungsangst hab ich schon immer ein bisschen, Kribbeln im Bauch und Nervosität direkt vor der Prüfung. Da hilft es mir dann, tief durchzuatmen und auf meine Fähigkeiten zu vertrauen. Ein Blackout hatte ich noch nie.
  • Sebastian, 21: Vor der Prüfung ist mir immer übel und ich bin nervös, auch schon Tage davor. Aber bevor es dann los geht, versuche ich mich immer selbst zu beruhigen und mir mein Wissen wieder ins Gedächtnis zu rufen. Einen Blackout hatte ich noch nicht.
Wie ihr seht, ist die Angst vor einer Prüfung sehr verbreitet. Eure Gefühle sind ganz normal und Prüfer sind auch nur Menschen, denen es auch schon mal so ergangen ist wie euch. Das ist doch beruhigend, oder? Und wenn ihr den einen oder anderen Tipp das nächste Mal beachtet, dann klappt’s auch mit der Prüfung!

Dieser Text wurde uns freundlicherweise von Désirée Imbery zur Verfügung gestellt
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