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Themenrelevante Artikel: Wie und warum Geisteswissenschaftler promovieren Studiengang Soziologie an der LMU

Berufschancen mit dem Studiengang Soziologie

Atze Schröder und Heike Makatsch haben eines gemeinsam: ein abgeschlossenes Soziologiestudium. Was tun, wenn man aber weder Schauspielerin noch Comedian nach dem Studienabschluss werden will?

Soziologie bietet ein facettenreiches Berufsprofil, wobei man sich frühzeitig zur individuellen Positionierung auf ein Themengebiet spezialisieren und dieses individuell und eigeninitiativ. Dies setzt sehr gute fachliche, persönliche und soziale Kompetenzen voraus, die über reines Fachwissen hinausgehen. Kommunikationsfreude, auch komplexe Themen allgemeinverständlich zu formulieren und Neugierde bei den Adressaten zu wecken, Selbstorganisationsfähigkeit und ein breites Allgemeinwissen sowie das Interesse an aktuellen Themen aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft sollten ebenso selbstverständlich sein wie die Bereitschaft, für neue Impulse offen zu sein.

Sehr gute Englischkenntnisse sind hilfreich, weil viele renommierte Fachzeitschriften und Bücher in englischer Sprache erscheinen, der internationale wissenschaftliche Diskurs über relevante Themen und Trends auf Englisch geführt werden und weil ausbaufähige Sprachkenntnisse auch bei einem Aufenthalt im Ausland weiterhelfen. Die Kenntnis einer weiteren Sprache wie etwa Französisch – hilfreich um Klassiker wie Pierre Bourdieu im Original zu lesen – ist empfehlenswert.

Praktika in favorisierten Arbeitsfeldern sind wichtig! Am besten auf Hochschulmessen
die entsprechenden Kontakte zu Firmen knüpfen, mit einer Kurzbewerbung und sich montags mit einer freundlichen E-Mail nochmal ins Gedächtnis des Personalers oder der Personalerin zurückrufen.

Natürlich bereitet das Hochschulstudium auf wissenschaftliches Arbeiten vor, doch die Tätigkeit in der Wissenschaft ist nur ein geringer Teil des möglichen breiten Aufgabenspektrums, in dem SoziologInnen tätig werden können. Außerhalb der Universitäten liegen die Aufgabenfelder u.a. bei wissenschaftlichen Instituten wie den Max-Planck-Instituten (Berlin, Köln, Rostock), dem Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) oder der Gesellschaft sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinrichtungen (GESIS). Weitere große Forschungseinrichtungen sind das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg (IAB), das Hochschulinformationssystem in Hannover (HIS), das Bundesinstitut für berufliche Bildung in Bonn und Berlin (BIBB) oder das Deutsche Jugendinstitut in München (DJI).

Auch bei der Fächerwahl kann man Einfluss auf den beruflichen Werdegang nehmen: Soziologie in Kombination mit BWL, VWL, Wirtschaftswissenschaften und/oder Psychologie ist eine gute Grundlage für vielseitige Einsatzgebiete im gesamten Personalwesen und Marketing, als Personal- und Unternehmensberater wie auch als Personalreferenten/in oder Pressesprecher/in. Bereits nach dem Bachelor finden sich hier neben einschlägiger beruflicher Erfahrung gute bis sehr gute Einstiegsmöglichkeiten. Die Fähigkeit zu systemischen Denken und Handeln und die Analysefähigkeit von Prozessen, das Wissen und Erkennen von organisationalen Strukturen und Sensibilität bei der Implementierung neuer ganzheitlicher Lösungsansätze zeichnet das Berufsbild von SoziologInnen aus.

Aber auch im breiten Feld von Markt- und Meinungsforschung sind SoziologInnen tätig: Viele kommerzielle Marktforschungsinstitute bieten ein vielseitiges Dienstleistungsspektrum an von Politikberatung und –analysen, Wahlprognosen bis zur Konsumentenforschung oder gar Trendforschung. Wer in diesem Bereich arbeiten will, sollte Freude an der Umsetzung von Wissenschaft in Praxis und der Anwendung von Methoden der quantitativen und qualitativer Sozialforschung haben. Gute Kenntnisse in einigen Standard-Statistik-Anwenderprogrammen (z.B. SPSS oder Stata) und Praktika in diesem Bereich sind hier Voraussetzung. Mathematiker/Innen und Statistiker/Innen können zwar auch Berechnungen anstellen, aber bei der Interpretation der Daten sind SoziologInnen gefragt. Ebenfalls in der IT-Branche wird soziologisches Wissen – speziell die Aufbereitung von statistischem Wissen – und die Verknüpfung vom Einzelfall zu einer allgemeinerne Prognosse geschätzt. In der Arbeits- und Industriesoziologie werden Veränderungen auf dem Arbeitsmarktsektor u.a. Qualifikationsprofile im historischen Vergleich analysiert.

Bei der Erhebung und Verwertung von Datenmengen, mit denen es SoziologInnen zu tun haben, geht es um die Darstellung der Ergebnisse meist nicht nur für Fachexperten, sondern für die Öffentlichkeit: Wie transportiere ich gesellschaftlich relevante Ergebnisse, so dass möglichst viele Menschen über ein „Mehr“ an Partizipations- oder Wahlmöglichkeiten verfügen? Viele Soziologen und Soziologinnen daher auch journalistisch tätig, ob freiberuflich oder in einem Verlag. Der interdisziplinäre Blick ist von Vorteil.

Ebenso im Bildungswesen gibt es Einsatzfelder: Als DozentIn an Universitäten und/oder Fachhochschulen, in der Erwachsenenbildung u.a. bei Volkshochschulen, Gewerkschaften und/oder sonstigen Bildungswerken. Die Beschäftigungsmöglichkeiten reichen von der Festanstellung bis zur freien Mitarbeit. Das Wissen um kommunikationstheoretischen Grundlagen, Handlungstheorien und gesellschaftlicher Strukturen bietet eine hervorragende Grundlage als Coach und Trainer für immer aktuelle Themen wie Konfliktmanagement oder interkulturelle Kompetenz, die sowohl in der Wirtschaft wie auch öffentlichen Verwaltung bis hin zu NGO’s interessant sind.

Bei Non-governmental Organizations (NGO’s) gibt es eine Vielzahl von Projekten, die in vielen Bereichen der Bildungsförderung, Behinderteninklusion, wirtschaftlicher, politischer und kultureller Förderung in Schwellenländern oder Ländern der 3. Welt tätig sind. Wer sich für fremde Kulturen, andere Nationen und Lebensweisen und politische Zusammenhänge in einer globalisierten Welt interessiert, findet hier Möglichkeiten sich und seine Fähigkeiten einzubringen. Auch die Tätigkeit bei parteipolitischen Organisationen, Verbänden oder den freien Trägern der Wohlfahrtspflege ist möglich. Migrationsforschung, soziale Ungleichheit und Bildungsforschung geben Hintergrundwissen auch für eine (temporäre) Beschäftigung im Ausland. Mit Rechts- und Verwaltungssoziologie kann man in der öffentlichen Verwaltung oder mit Eigeninitiative und praktischer Erfahrung eine parlamentarische Karriere ansteuern.

In der Familiensoziologie wird die Rolle der Familie beleuchtet. Dies bietet Jobchancen in der Sozialplanung etwa auf dem Sektor der Jugend- oder Altenhilfeplanung sind SoziologInnen tätig bei der Ausarbeitung neuer Konzepte, bei der Planung, Organisation und Umsetzung in Kooperation mit den an den Maßnahmen beteiligten Personen und Institutionen oder in der Leitung von Institutionen der Jugend- oder Altenhilfe.

Soziologie beschäftigt sich auch mit der Wohnumwelt von Menschen. Durch die demographische Entwicklung werden andere Wohnformen an Bedeutung gewinnen, andere verlieren. Die Mobilitätsforschung hat darüber hinaus auch Transport und Verkehr im Blickpunkt. Wer sich für Auswirkungen des modernen Verkehrs auf unser Leben interessiert und welche Transportmittel und Wohnformen wir in Zukunft nutzen werden, kann in der Stadtplanung als City- oder Quartiersmanager oder Projekten im Städtebau tätig werden.

Kontakttipps:

Literaturtipps:

Späte, K. (Hrsg.)(2007): Beruf: Soziologe?!: Studieren für die Praxis. Konstanz: UVK (UTB)

Blättel-Mink, Birgit / Katz, Ingrid (Hrsg.) (2004): Soziologie als Beruf? Soziologische Beratung zwischen Wissenschaft und Praxis. Wiesbaden: VS Verlag

Breger, W./ S. Böhmer (2007); Was werden mit Soziologie. Berufe für Soziologinnen und Soziologen. Das BDS-Berufshandbuch. Stuttgart: Lucius & Lucius


Tanja Schmidt (02/2012)

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