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Betriebswirtschaftslehre – Wie mathelastig ist die klassische BWL wirklich?

Wieviel Mathe ist für BWL notwendig?
Wieviel Mathematik benötige ich wirklich im BWL Studium?

„Wer nichts wird, wird Wirt.“

Als ich mich mit frischem Abitur in der Tasche nach einem für mich geeigneten Studium umsah, war ich erst mal schlicht überfordert von der überwältigenden Auswahl an Studiengängen. Doch nach einigen Sitzungen in der Studienberatung und Gesprächen mit Familie und Freunden entschied ich mich letztendlich für die Betriebswirtschaftslehre. Man mag auch mir vorwerfen, ich hätte mich nur aufgrund der Tatsache dafür entschieden, dass ich auf die Schnelle nichts besseres gefunden hätte. Allerdings weigere ich mich, dem zuzustimmen. Warum ich mich im Detail für die BWL entschieden habe, würde hier zu weit führen. Nur so viel: Abgesehen davon, dass ich die Vorstellung, kaufmännischen Tätigkeiten nachzugehen und Verantwortung in Unternehmen zu übernehmen, äußerst reizvoll fand, wurde mir häufig zu diesem Studiengang geraten, weil ich in der Oberstufe gute Ergebnisse im Mathematikunterricht erzielt hatte.

Über die Betriebswirtschaftslehre existieren bekanntlich unzählige Vorurteile. So auch die weitverbreitete Meinung,
dass jemand, der mit Mathematik nichts am Hut hat, besser seine Finger von diesem Fach lässt beziehungsweise alle, die mit Mathe gut klargekommen sind, geeignete Studenten seien.

Jetzt, da ich bereits im dritten Semester studiere, kann ich eine recht fundierte Aussage dazu machen, wie mathelastig die Betriebswirtschaftslehre wirklich ist. Natürlich beruht meine Meinung nur auf meinen persönlichen Erfahrungen sowie denen meines näheren Umfelds und kann deswegen nicht als allgemeingültig angesehen werden.

Welche Vorkenntnisse werden benötigt?

Zuerst stellt sich die Frage, welche Grundlagen man schon vorab beherrschen sollte. Meiner Meinung nach lohnt es sich definitiv im Matheunterricht aufzupassen, denn Kenntnisse über erweitertes Grundrechnen, Prozent- und Bruchrechnen, aber auch Kurvendiskussion und Geometrie (VWL) sind im Studium von Vorteil. Auf der anderen Seite wird von den Erstsemestern nichts Unmögliches verlangt und viele Hochschulen bieten vor Beginn des eigentlichen Studiums Mathe Vorkurse, um das Wissen der angehenden Studenten aufzufrischen. Außerdem wird es dadurch denjenigen, die mit Mathe in der Schulzeit Probleme hatten, ermöglicht, sich in die notwendigen Schwerpunkte einzuarbeiten und mit allen anderen einigermaßen gleichzuziehen. Zusätzliche außerschulisch erworbene Kenntnisse sind definitiv nicht notwendig.

Um welche Kerngebiete der Mathematik dreht sich das Studium?

Neben den oben genannten Grundlagen, die schon bekannt sind, kommen unabhängig von Hochschule und Schwerpunkt noch folgende Gebiete hinzu:
  • Finanzmathematik
  • Steuern
  • Statistik
  • Controlling
Unter Statistik fällt auch induktive Statistik also Wahrscheinlichkeitsrechnung, die wie einige andere Bereiche auch, noch mal aus einer anderen Sichtweise als in der Schule betrachtet werden.

Auch aufgrund der Tatsache, dass man im Grundstudium nur einen sehr begrenzten Anteil an Controlling-Vorlesungen besucht, ist der Matheanteil und auch die Art der Mathematik stark davon abhängig, welchen Studienschwerpunkt man wählt. Die gängigen Schwerpunkte sind:
  • Personalwesen
  • Marketing
  • Logistik
  • Finanz-/Bankwesen
  • Controlling
Natürlich gibt es auch noch andere mögliche Vertiefungen wie Gesundheitsökonomie oder Tourismus. Doch diese überschneiden sich bezüglich der Mathematik stark.

Schwerpunktwahl

Wählt man etwa Personalwesen als Schwerpunkt, so beschränkt sich der Matheanteil auf Rechnungen mit reellen Zahlen, also etwa für die Berechnung von Personal- und Sonderkosten. Ähnlich ist es im Marketing, auch hier werden grundlegende Rechenarten verwendet, um zum Beispiel Kosten und Gewinne zu vergleichen und so die Auswirkung und Notwendigkeit von Verkaufsförderungsmaßnahmen abschätzen zu können. In der Logistik wird zwar grundsätzlich etwas mehr gerechnet, allerdings ist auch hier die Komplexität überschaubar. Wirklich stark von Mathematik geprägt sind lediglich die letzten beiden Schwerpunkte Finanz-/Bankwesen und Controlling. Bei Ersterem spielt, wie der Name schon sagt, Finanzmathematik eine große Rolle, also alles was sich um Steuern, Anteile, Renten, Zinsen et cetera dreht. Meine persönliche Einschätzung ist, dass dieses Gebiet zwar äußerst umfangreich ist, sich aber dennoch nicht über die Maßen kompliziert darstellt. Das heißt: Sollte man diesen Bereich als notwendiges Übel erachten, ist es kein Ding der Unmöglichkeit, sich dort „durchzubeißen“. Anders schätze ich den Controlling Part ein. Abgesehen davon, dass Tätigkeiten in diesem Gebiet, durch ihre Nähe zur Unternehmungsführung recht verantwortungsvoll sind, werden hier auch komplexere Verfahren angewendet, zum Beispiel zur Bestimmung von Liquidität oder grundsätzlich die Kosten-/Leistungsrechnung (KLR) eines Unternehmens. Die KLR hat hochschulintern den Ruf, dazu zu dienen, unter den Studenten auszusieben, und nur die motivierten Studenten weiterkommen zu lassen, was zeigt, wie Vielen diese Materie Probleme bereitet.

Mathegenie notwendig?

Es ist schwer, pauschal Empfehlungen zu geben. Ein kompletter Mathemuffel wird sich auf jeden Fall schwerer tun als jemand, dem Mathematik gut liegt. Allerdings ist es natürlich nicht unmöglich und die Betriebswirtschaftslehre ist so vielseitig, dass nahezu jeder seine Talente in sein Studium einbringen kann. Deswegen ist es auch schwer den Matheanteil zu pauschalisieren, denn dieser hängt natürlich ab von:
  • den Unterschieden zwischen FH und Uni
  • den Unterschieden zwischen den verschiedenen Hochschulen
  • den Unterschieden der unterschiedlichen Dozenten
  • den Unterschieden der einzelnen Schwerpunkte

Fazit

Das ein nicht unerheblicher Anteil Mathematik in der Betriebswirtschaftslehre steckt kann man nicht abstreiten. Allerdings schwankt er zwischen 30% und 70% enorm durch die erwähnten vielzähligen Wahlmöglichkeiten (Hochschule etc.). Der Vorteil dieses Systems ist, dass der Matheanteil wenigstens teilweise an die Fähigkeiten und Wünsche des einzelnen Studenten angepasst werden kann. Dadurch stellt die BWL für Viele ein angemessenes Werkzeug, zum Vorantreiben ihrer Karriere, dar. Denn durch die verschiedenen Richtungen stehen den Absolventen unzählige Wege offen.


David Hofmann, 10/2014
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