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Studiengang Chemie Bachelor

Vowort

An verschiedenen Universitäten wird auf unterschiedliche Bereiche ein besonderer Schwerpunkt gelegt, weshalb meine Erfahrungen an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sich nicht zwangsläufig auch im Detail auf andere Universitäten übertragen lassen. Die groben Anforderungen und allgemeinen Herausforderungen, die ein Studium der Chemie mit sich bringen, dürften aber überall sehr ähnlich sein, weshalb dieser Erfahrungsbericht auch für dich interessant sein dürfte, wenn du nicht vor hast in Erlangen zu studieren.

Grundstudium

Der Studiengang Chemie umfasst die Kernbereiche der Anorganischen- und Allgemeinen Chemie (AC), der Organischen Chemie (OC) und der Physikalischen Chemie (PC). Hinzu kommen noch die modernen Gebiete der Theoretischen Chemie (TC) und der Computerchemie, die in Erlangen einen exzellenten Ruf haben. Vermittelt werden die Studieninhalte sowohl mittels Vorlesungen als auch praktisch in den Forschungslaboratorien. Letzteres ermöglicht schon frühzeitig erste Einblicke in die grundlagen- und anwendungsorientierte chemische Forschung zu gewinnen, stellt für viele aber bereits den ersten Grund dar, das Studium wieder abzubrechen. Chemiestudium, das bedeutet auch einmal mehrere Wochen den Nachmittag bis Abends um 17:00Uhr in einem Labor verbringen zu müssen, wo es übel riecht und man zwangsläufig Umgang mit der ein oder
anderen ätzenden, gesundheitsschädlichen oder giftigen Substanz haben wird. Nach meiner Erfahrung ist dafür nicht jeder geschaffen. Gerade im ersten Semester geht es bei den Identis richtig rund. Der Assistent gibt euch eine Probe und ihr müsst herausfinden, was darin enthalten ist (natürlich nicht ohne vorher die Nachweise einmal geübt zu haben).

Wer den psychischen und physischen Herausforderungen des Laboraltages gewachsen ist, den erwartet, neben der praktischen Arbeit am Nachmittag, eine ganze Menge an theoretischem Wissen, welches generell in den Vorlsungen am Vormittag in die Köpfe der Studenten gepresst wird. Für Spätaufsteher bedeutet das eine zusätzliche Tortur, wenn bereits um 8:00 Uhr c.t. die erste Vorlesung beginnt, was für naturwissenschaftliche Studiengänge aber die Regel ist. In den ersten beiden Semestern geht es genau gesagt jeden Tag um 8:00Uhr los!

Während einem in anorganischer und organische Chemie das Wissen noch einmal von ganz vorne ausführlich beigebracht wird, so steht dem mit den Mathematik- und Physik-Vorlesungen eine deutliche Hürde entgegen. Hier wird nach meiner Erfahrung sehr viel an Vorwissen aus der Schule erwartet, weshalb ich jedem nur empfehlen kann, bereits in der Schule neben einem Chemie noch einen Physik oder Mathe LK zu belegen (Physik ist in meinen Augen optimal). Durchfallqouten von 50% sind in diesen beiden Klausuren nicht unüblich. Vor allem die Physik begleitet einen auch während des weiteren Bachelorstudiums spürbar. Neben den Vorlesungen Physik I und II sowie einem Physikpraktikum gibt es die Physikalische Chemie I-IV und auch hier zwei stark gewichtete Praktika. Hinzu kommt noch die Theoretische Chemie, wobei die TCI Vorlesung als eine Vertiefung und Fortsetzung der Mathevorlesung angesehen werden kann. Die TCII und PCII sind in vielen Bereichen deckungsgleich und behandeln die Quantenmechanik. Weitere Themen, wie Gruppentheorie (in TCIII) oder Statistik und Spektroskopie (PCIII), werden ebenfalls ausgiebig durchgenommen.

Referate müssen während des Bachelorstudiums praktisch keine gehalten werden. Einzig für das PC Fortgeschrittenen-Praktikum ist ein 20 minütiger Vortrag vorzubereiten.

Dafür ist aber eine ordentliche Menge an Protokollen und Auswertungen sowie viel Vorbereitung während des Semesters vorzunehmen. Zu jedem Versuch in den Praktika (egal ob AC,OC oder PC) wird vor Beginn des Versuchs ein Colloquium abgelegt, während des Versuchs Protokoll (das sog. Laborjournal) geführt und der Versuch dann daheim ausgewertet. In jeder dieser drei Disziplien kommen je ca. 18 Versuche zusammen und nochmals 10 für das Physikpraktikum, die alle nach diesem Muster abgearbeitet werden müssen.

Eine Möglichkeit, während seines Bachelors bereits einen Schwerpunkt auf eine der verschiedenen Disziplien zu legen, gibt es nicht. Auch wenn ihr wisst, dass ihr später z.B. in die Anorganik gehen möchtet, so müsst ihr trotzdem alle vier Vorlesungen zur physikalischen Chemie besuchen und die Prüfung darin bestehen. Der Stundenplan und das, was ihr zu absolvieren habt, ist streng vorgegeben und auch zeitlich praktisch ohne Spielraum, was das Studium sehr „verschult“ wirken lässt. Eine Pflicht, in die Vorlesungen zu gehen, gibt es trotzdem nicht (es wird also keine Anwesenheitsliste geführt). Bloß die Klausur am Ende des Semesters müsst ihr bestehen, damit eine Vorlsung als bestanden und besucht gilt. Und das schafft ihr aller Erfahrung nach, wenn ihr die Vorlesung auch wirklich regelmäßig (am besten immer) besucht.

Die Bachlorarbeit kann bereits in den WS-Ferien des 5.Semesters begonnen werden und stellt sozusagen eine erste eigenständige wissenschaftliche Arbeit in einem der Arbeitskreise dar. Mit dem Beenden und Bestehen des 6.Semesters habt ihr euren Bachelor dann in der Tasche.

Wie geht es weiter?

Aufbauend auf dem Bachelor-Studiengang (6 Semester) mit dem Abschluss Bachelor of Science wird eine Masterstudiengang (4 Semester) angeboten. In diesem wird neben der vertieften Ausbildung in den chemischen Kernfächern durch Wahlpflicht-, Wahl- und Vertiefungsmodule eine Fokussierung auf ein Spezialgebiet ermöglicht. Die Masterarbeit schließt das Studium schließlich mit dem Titel "Master of Science" ab. Ein anschließender Doktor gehört in der Chemie zum guten Ruf und wird auch von 80% der Studierenden im Anschluss an den Master (früher das Diplom) begonnen. In der Regel werden dafür weitere 2-3 Jahre benötigt.

Welche Voraussetzungen sollte ich mitbringen?

Naturwissenschaftliches Interesse ist natürlich die Grundvoraussetzung. Als Vorkenntnisse sind neben Chemie vor allem Mathematik und Physik sehr hilfreich, wobei man das Chemiestudium auch schaffen kann, ohne Physik in der Oberschufe noch gehabt zu haben. Dann ist jedoch ein guter Satz an Selbstdisziplien und Zähigkeit von Nöten, um sich hier durchzubeißen.
Einen NC gibt es nicht, was aber nicht heißen soll, dass das Chemiestudium leichter wäre als ein Studienfach mit NC! Es ist eher so, dass in den ersten Semestern eine starke Selektion stattfindet und nur diejenigen weiter studieren können, die dem Druck und der Fülle an Arbeit standhalten.

Auch wenn es traurig ist: Eine weitere Voraussetzung ist es scheinbar, genügend finanziellen Rückhalt zu haben, um nicht während des Semesters allzu viel arbeiten zu müssen. Von den Studenten, die während des Semesters ihren Lebensunterhalt selbst erwirtschaften mussten, kenne ich keinen mehr, der das Studium nicht abgebrochen hat. Die Studiengebühren und hohen Lebenskosten bzw. Mieten in Erlangen tragen dazu sicherlich nicht unerheblich bei.

Bewerbung für einen Studienplatz

Für den Studiengang Chemie müsst ihr euch direkt bei der jeweiligen Uni bewerben. Bei den meisten Unis gibt es dafür ein Online-Verfahren in der Bewerbungszeit (den Zeitraum erfahrt ihr von der Uni). Einen Besuch in der Studienverwaltung müsst ihr auch einplanen, um dort wichtige Informationen, wie z.B. eine Kopie eures Hochschulreife-Zeugnisses, vorbei zu bringen. Informationen zu den Bewerbungen und zu den Zulassungsvoraussetzungen stehen auf den Homepages der Unis.

Warum studiere ich Chemie ?

Chemie - das ist alles um uns herum. Angefangen von der Kunstfaser, mit der die Kleidung gewebt wurde, über das Duschgel für die Körperpflege, die Arznei zur Behandlung einer Krankheit oder neuen Baustoffen für mehr Sicherheit oder besseren Comfort. Die Lösung aktueller Probleme, wie der Energiekrise oder der globalen Erderwärmung, wird maßgeblich durch Innovationen aus der Chemie begegnet werden wie z.B. effizienteren Treibstoffen, Leichtbaumaterialien in Fahrzeugen oder Katalysatoren für die Wasserspaltung. An diesem Entwicklungsprozess teilhaben zu können und seinen Beitrag für eine bessere und sicherere Zukunft leisten zu können, das ist es, was mich zu diesem zwar harten, aber oft auch spaßigem, interessanten und erfüllendem Studium bewegt.

Berufsfelder

Als Chemiker steht dir eine riesige Bandbreite an Berufen offen, die nicht immer auf den ersten Blick direkt mit Chemie zu tun hat. Neben klassisch chemischen Arbeitgebern wie BASF, Evonics oder Wacker sowie vielen mittelständischen Unternehmen der chemischen Industrie, kann man z.B. auch bei Behörden (z.B. staatliche oder private Prüfungsämter für Qualitätssicherheit), der Polizei oder auch in ganz anderen Feldern wie der z.B. Unternehmensberatung einsteigen. Ein Chemiker hat während seines Studiums gezeigt, dass es eine gute Portion Durchhaltevermögen mitbringt und er hat gelernt sich rasch in neue Probleme hineinzuarbeiten und Lösungen dafür zu erarbeiten. Diese Eigenschaften sind in jedem Unternehmen hoch geschätzt, weshalb die Vielzahl an promovierten Chemikern später auch nicht mehr im Labor stehen wird.


Sven Herrmann im Dezember 2010

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