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Studienplatzklagen - Erfahrungsbericht

"Wenn Du Dein Abitur machst, dann kannst Du machen was Du willst – schau mal, da kannst Du dann wirklich ALLES studieren!"

So oder ähnlich wird das wohl schon jeder gehört haben, der auf dem Weg zur Allgemeinen Hochschulreife war. Stimmt ja auch im Grundsatz. Heißt ja immerhin "Allgemeine Hochschulreife", eben die Reife für jede erdenkliche Hochschule. Doch ich wurde eines besseren belehrt.

Aber erst mal zurück zum Anfang: Das Abi war in die Hose gegangen und zwar so richtig. Drei, sechs und null Punkte in den schriftlichen Prüfungen waren wirklich nicht das Ergebnis gewesen, mit dem ich gerechnet hatte. Die ganze Zeit davor ging es immer um die Frage des Durchschnitts, jetzt nicht mehr. Jetzt ging es ums Abi haben oder nicht haben. Nun ja, irgendwie habe ich es dann doch noch bekommen, das Zeugnis, das mir bescheinigte, dass ich alles und an jeder Hochschule studieren könne. Zwar mit einem Durchschnitt von 3,0 aber immerhin. Natürlich wusste auch ich, dass es so etwas wie einen NC gibt doch hatte ich ja nicht vor Medizin oder Psychologie zu studieren. Da brauchte ich mir also gar keine Gedanken zu machen - dachte ich.

Ein Jahr und drei Praktika später merkte ich, dass ich mir durchaus Gedanken hätte machen können, denn jetzt wollte ich studieren. Schnell musste ich feststellen, dass man mit einem Durchschnitt von 3,0 leider nicht alles und überall studieren kann. Vielmehr wurde mir
mehr und mehr bewusst, das man mit solch einem Abi nur sehr wenig und vor allem nicht in Hamburg studieren kann, da es an dieser Uni keine Fächer ohne Zulassungsbeschränkung gibt. Erschwerend kam hinzu, dass vor allem die Studienplätze in den meisten geisteswissenschaftlichen Fächern rar und somit hart umkämpft sind. Nachdem ich mich über Angebot und Nachfrage (nichts anderes ist durch den NC beziffert) der Studienplätze im letzten Semester informiert hatte stand fest, dass es für mich einen Studienplatz in Fächern wie Medien- und Kommunikationswissenschaften oder politische Wissenschaften höchstwahrscheinlich erst mit Anfang dreißig geben würde.
Also einklagen. Von vielen hatte ich schon gehört, dass man sich "dann halt eingeklagt" hatte. Für mich schien es zunächst einfach ein anderer Weg zum Studienplatz zu sein, der außer in wenigen Ausnahmefällen auch zum Erfolg führt. Doch erneut musste ich nach einiger Zeit umdenken.
Nachdem ich mich regulär um einen Studienplatz im Fach Medien- und Kommunikationswissenschaften beworben hatte (ist Voraussetzung für die Studienplatzklage) konnte ich aus meinem Ablehnungsbescheid erfahren das sich außer mir noch circa 2000 andere für die 23 Plätze beworben hatten. Aus diesem Grund stand schnell fest, das ich nicht mit Hilfe des Asta und dessen Vordrucken für sämtliche Verwaltungsvorgänge klagen würde sondern über einen Anwalt. Bei einer Studienplatzklage die man selber durchführt ist mit etwa 300 Euro an Verwaltungskosten zu rechnen. Nimmt man sich einen Anwalt liegt der Preis bei ungefähr 800 – 1500 Euro.

Zuerst macht der Anwalt nichts anderes als jede Privatperson auch: Es wird angezweifelt, dass die Uni ihre Kapazitäten mit den zur Verfügung gestellten Plätzen tatsächlich ausgeschöpft hat. Über diese Frage entscheidet das zuständige Verwaltungsgericht. Allerdings kann es dauern bis das Gericht entscheidet. Und das Semester fängt trotzdem an.
Um im Fall des Erfolgs der Studienplatzklage überhaupt noch mit dem Stoff hinterher zu kommen schien es also ratsam trotzdem an Vorlesungen etc. teilzunehmen. Da ich mich aber für einen Bachelor-Studiengang beworben hatte stellte sich dies als größtenteils unmöglich da. Die Gründe dafür sind mir bis heute schleierhaft. So musste ich erleben, dass bereits vor der Tür durch die Assistenten der Professoren anhand von Listen mit Matrikelnummern aussortiert wurde. Auch konnte ich miterleben wie vor einer Vorlesung bereits an der Tür zum Hörsaal Menschen ohne Studentenausweis der Zutritt verweigert wurde. Dazu ist zu sagen, dass der Saal nur zu einem Viertel gefüllt war und insgesamt etwa 300 Plätze hatte. Wie schon gesagt: Aus welchem Grund so gehandelt wird ist mir bis heute unerklärlich. Nachdem ich eine Woche lang ausgetestet hatte, zu welchen Vorlesungen ich Zutritt bekomme, blieben mir noch zwei übrig. So trotte ich also seit Semesterbeginn zweimal die Woche zur Uni. Man tut ja was man kann. Viele meiner "Mitkläger" haben inzwischen aufgegeben, sich einen Job oder Praktikum gesucht. Ungefähr einen Monat nach Semesterbeginn hat das Gericht entschieden, dass noch neun weitere Plätze bereitgestellt werden müssen. Diese wurden nach Wartesemestern vergeben. Nachdem ich keinen davon bekommen habe hat der Anwalt Beschwerde gegen die Entscheidung eingelegt.

Wie hoch die Chancen sind, dass eine Studienplatzklage Erfolg hat hängt immer davon ab, wie viele Leute klagen. Aus der Erfahrung, die ich bis heute sammeln konnte kann ich sagen, dass letztendlich niemand sagen kann wie gut oder schlecht die Chancen sind, da die Vorgänge an den Unis bezüglich der Kapazitäten für Studienplätze vollkommen undurchsichtig sind. Der Asta gibt einem die Auskunft, dass man bis zu einem gewissen Punkt auch problemlos selbstständig klagen kann, was so auch sicherlich stimmt. Dennoch glaube ich, dass ich ohne Anwalt spätestens nach der ersten Gerichtsentscheidung das Handtuch geworfen hätte. Ob man sich einen Anwalt nimmt oder nicht hängt zuletzt immer auch von der eigenen finanziellen Lage ab. Allen die klagen wollen kann ich nur den Rat geben sich einen Plan B zurecht zu legen. Sei es erst einmal eine Ausbildung zu machen, ein Praktikum zu absolvieren oder ähnliches.

Ich ärgere mich inzwischen nicht mehr über den schlechten Abitur-Durchschnitt denn selbst ein Abi von 2,0 hätte meine heutige Lage nicht im Geringsten verändert - Studienplätze sind einfach zu knapp und somit die NCs zu hoch. Und allen die mir gesagt haben mit Abi könnte ich alles studieren, denen muss ich leider sagen, dass in Zeiten von Kürzungen an Studiengängen und Professorenstellen das Reifezeugnis nicht mehr der Freischein zum Studieren ist.

Festzuhalten bleibt:
  • Studienplatzklagen kann man selbst machen, auch ohne Anwalt
  • Du brauchst einen Ablehnungsbescheid (!), wenn du einen Studienplatz über die ZVS bekommen hast, kannst du dich in der Regel nicht an deiner Wunschuni einklagen
  • Ein Anwalt kostet bis zu 1500 Euro
  • Klagst du dich selbst ein, so muß du ca. 50-300 Euro Verwaltungskosten einplanen
  • Hast du einen Studienplatz über die ZVS zugewiesen bekommen, so kommt ein Studienplatztausch in Frage, den du hier bei [uni-pur.de] initiieren kannst


(/hf)

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