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Studieren ohne Abitur

Einleitung

In Anbetracht der zunehmenden Spezialisierung in jeder Fachrichtung fragen sich immer mehr Arbeitnehmer, was wohl wichtiger ist: Praktische Erfahrung oder ein akademischer Abschluss?
Sicherlich ist es in vielen Berufsfeldern immer noch von Vorteil, wenn man die Reifeprüfung bestanden und ein Studium abgeschlossen hat. Gleichzeitig wird aber von vielen Arbeitgebern der mangelnde Praxisbezug der Studienordnungen beklagt.
Seit einiger Zeit wird deshalb die strenge Vorgabe der beruflichen Werdegänge gelockert und ein Studium auch ohne Abitur möglich gemacht.

Die Voraussetzungen

Im März 2009 haben die Kultusminister eine einheitliche Richtlinie für alle Bundesländer geschaffen. Wer folgende Voraussetzungen erfüllt, hat die allgemeine Hochschulreife und kann auch ohne Abitur studieren:
Inhaber folgender Abschlüsse:
  • Meister im Handwerk nach §§ 45, 51a, 122 Handswerksordnung (HwO)
  • Inhaber von Fortbildungsabschlüssen, für die Prüfungsregeln nach §§ 53, 54 Berufsbildungsgesetz, §§ 42, 42a HwO bestehen, sofern die Lehrgänge mindestens 400 Unterrichtsstunden erfassen
  • Inhaber vergleichbarer Qualifikationen im Sinne des Seemannsgesetzes (staatliche Befähigungszeugnisse für den nautischen oder technischen Schiffsdienst)
  • Inhaber von Abschlüssen von Fachschulen entsprechend der "Rahmenvereinbarung über Fachschulen" der Kultusministerkonferenz in der
    jeweils geltenden Fassung
  • Inhaber von Abschlüssen vergleichbarer Fortbildungsregelungen für Berufe im Gesundheitswesen sowie im Bereich der sozialpflegerischen und sozialpädagischen Berufe

Außerdem erhalten beruflich qualifizierte Bewerber eine fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung, wenn sie folgende Voraussetzungen erfüllen:
  • Abschluss einer nach BBiG/HwO, durch Bundes- oder Landesrecht geregelten mindestens zweijährigen Berufsausbildung in einem zum angestrebten Studiengang affinen Bereich und mindestens dreijähriger Berufserfahrung in einem zum Studiengang affinen Bereich, für Stipendianten des Aufstiegsstipendienprogrammes des Bundes sind zwei Jahre ausreichend.
  • Erfolgreicher Abschluss eines Eignungsfeststellungsverahrens, das durch eine Hochschule oder staatliche Stelle auf der Grundlage einer Prüfungsordnung durchgeführt wird, schriftliche und mündliche Prüfungsanteile aufweist und auf allgemeines und fachbezogenes Wissen bezogen ist.

Zusätzlich dazu haben die Länder auch die Möglichkeit weitergehende Regelungen für den Hochschulzugang zu treffen.

Probesemester und Eignungstest

Hat man dann die erste Hürde der Bewerbung genommen, folgen meist erst einmal Probesemester, in denen sich der Quereinsteiger beweisen muss. Das bedeutet: Studieren mit sehr viel Druck, lange besteht die Möglichkeit, den Studienplatz doch wieder entzogen zu bekommen. An einigen Hochschulen (etwa an der Johannes Gutenberg- Universität in Mainz) ist es möglich, sich zwischen einer Bewerbung für ein Probestudium und einem Eignungstest zu entscheiden.

Studiengebühren

Auch Gebühren für das Studium können anfallen und müssen dann finanziert werden. Einige tausend Euro kann die Weiterbildung unter Umständen kosten. Auch hier kommt es wieder darauf an, an welcher Universität oder Fachhochschule man sich beworben hat. Je nach Studienform kann es möglich sein, in dem bisher ausgeübten Beruf auch weiterhin tätig zu sein. Bei einem Vollzeitstudium an der Fakultät gestaltet sich dies aber äußerst schwierig.

Wie läuft so ein Studium ab?

Studiert wird entweder in Form eines Fernstudiums (bei dem man einen großen Teil der Arbeit zu Hause am Rechner erledigt und ein bis zwei Mal im Monat für ein Wochenende an die Hochschule fährt) oder regulär an der Fakultät. Die Ausbildungszeit beträgt bei Aufbaustudiengängen meist zwei Jahre/ vier Semester, bei konventioneller Studienform natürlich die reguläre Semesteranzahl. Nicht selten wird aber mehr Zeit benötigt, da der Beruf weiter ausgeübt wird und so wenig Zeit zur Verfügung steht. Es ist daher eventuell sinnvoll, von vornherein mehr Zeit und finanzielle Mittel einzuplanen. Manchmal übernimmt das Unternehmen, bei dem man angestellt ist, die Finanzierung der Weiterbildung. Das bleibt aber wohl eher die Ausnahme und bietet sich nur dort an, wo der Arbeitgeber durch die Weiterqualifizierung des Angestellten profitiert.
Generell werden heute bundesweit schon sehr viele Studiengänge ohne Abitur als Voraussetzung angeboten.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich wohl sagen, dass mit der Möglichkeit, auch ohne Abitur zu studieren, ein guter Schritt getan wurde, die Weiterqualifizierung in Ausbildungsberufen zu ermöglichen und auszuweiten. Die Wertschätzung nicht-akademischer Abschlüsse zu unterstreichen sollte weiterhin von den zuständigen Bildungsinstituten voran getrieben werden.
Nichts desto trotz sollte sich aber jeder, der mit dem Gedanken spielt, ein Studium nach den ersten Jahren in der Arbeitswelt anzufangen, darüber im Klaren sein, dass eine akademische Ausbildung meist sehr theoretisch gehalten ist. Wissenschaftliches Arbeiten und der Umgang mit abstraktem Lernstoff wird immer vorausgesetzt. In Zweifelsfall sollte deshalb rechtzeitig das Abitur angestrebt werden, um einem später den schweren Sprung von Praxis zu Universität zu erleichtern. Immerhin ist aber der Weg für alle, denen dieser Werdegang nicht möglich war, nun geebnet.

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